Basic Safety & Security: Türöffner und Schließsysteme

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Basic Safety & Security: Türöffner und Schließsysteme. Alida Anfang und Prof. Albert Einsteiger sind nicht nur pfiffig, sondern auch pädagogisch geschult. In GIT SICHERHEIT widmen sie sich regelmäßig einem speziellen Thema aus Security und Safety. Der Hintergrund: Sicherheitsverantwortliche tragen in Unternehmen eine hohe Verantwortung – es geht um den Schutz von Mitarbeitern, Know-how und Sachwerten. Sie sind es, die letztlich entscheiden, welche Maßnahmen zum Einsatz kommen.

Das moderne Security- & Safety-Management stellt jedoch vielschichtige Anforderungen, die einen hohen Spezialisierungsgrad erfordern. Da ist es nicht einfach, auf allen Gebieten ein Fachmann zu sein. In diesem kleinen Repetitorium erklären Prof. Albert Einsteiger und seine Assistentin Alida Anfang deshalb die wichtigsten Basisbegriffe aus Sicherheit und Arbeitsschutz – jeweils zusammen mit einem Experten: Diesmal ist es Michael Holzer, Produktmanager Elektromechanik bei Assa Abloy Sicherheitstechnik.

Was ein Türöffner ist, ist jedem Kind geläufig – vor allem bei Klingelstreichen spielt er ja bekanntlich eine nicht unwesentliche Rolle. Ein Fachmann betrachtet das Thema natürlich etwas nüchterner, erkennbar bereits an der technischen Definition, die er parat hat: Ein Türöffner ist demnach nichts anderes als eine elektromechanische Vorrichtung – meist gegenüber einem Einsteckschloss eingebaut –, um z. B. eine Haustür über Knopfdruck an der Sprechanlage öffnen zu können.

Strom an – Falle auf

So weit, so einleuchtend. Doch jetzt zur prinzipiellen Funktionsweise: Betrachtet man sich das Türblatt, so findet man darin ein eingebautes Einsteckschloss. Ist die Tür geschlossen, so greift die Falle dieses Einsteckschlosses in die Falle des Türöffners. Bei Kontaktgabe, also z. B. durch eine Fernbedienung, wird der Türöffner mit Strom versorgt. Dadurch wird die Sperre der Türöffnerfalle aufgehoben; die Tür kann geöffnet werden.

Fällt die Tür dann ins Schloss, ist die Falle (weil kein Strom mehr) wieder gesperrt.

Der elektrische Türöffner ersetzt nicht den Verschluss der Tür durch einen Riegel, sondern ist lediglich eine zusätzliche Einrichtung. Er ist in erster Linie für den Tagesbetrieb gedacht, während nachts die betreffende Tür durch Betätigung des Einsteckschlossriegels verschlossen wird. Das ist ein wichtiger Unterschied, denn: Eine nur über die Falle des Türöffners geschlossen gehaltene Tür gilt versicherungsrechtlich als nicht verschlossen.

Typen und Techniken

Heute kennt man im Wesentlichen folgende Türöffner-Typen und -Techniken: Zunächst gibt es Türöffner mit Arbeitsstrom-Funktion. Hier kann die Tür nur während der Kontaktgabe geöffnet werden. Bei Wechselstrombetrieb ist ein Summton hörbar (nicht bei Gleichstrombetrieb). Bei der Arretierungstechnik befindet sich in der Mitte der Türöffnerfalle ein schlossfallengesteuerter Arretierungsstift. Dieser hält den Türöffner auch nach der Kontaktgabe noch solange entriegelt, bis die Tür geöffnet wird.

Bei der sog. Ruhestrom-Funktion ist der Türöffner versperrt, solange der Strom eingeschaltet ist. Wird er ausgeschaltet oder durch Stromausfall unterbrochen, ist die Türöffnerfalle beweglich, und die Tür kann geöffnet werden.

Außerdem gibt es die mechanische Verriegelung: Ein Entriegelungshebel in der Ecke des Fallenausschnitts schaltet während der Besuchszeit die Türöffnerfunktion aus. Die Türöffnerfalle ist beweglich, die Tür kann beliebig oft geöffnet werden, es herrscht freier Durchgangsverkehr. Die Ausstattung der Tür mit einem zusätzlichen Türschließer verhindert, dass die Tür eventuell durch Winddruck oder einen Luftzug etc. aufgestoßen wird. Zu den jüngsten Entwicklungen zählt der Lineartüröffner – dazu unten mehr.

Mehr als 120 Jahre Türöffnerhistorie

Bereits im Jahr 1886 wurde ein Patent eines "Electrical Door Openers" angemeldet. Schon damals wurde ein Elektromagnet zum Freigeben der Türöffnerfalle eingesetzt. Alle späteren Entwicklungen basieren auf dieser Erfindung. Die aufklappende Türöffnerfalle gibt es etwa seit 1900. Ursprünglich war die Türöffnerfalle nicht einstellbar, später kam die Fix-Verstellung, danach, seit ca. 1970, die FaFix-Verstellung. Fix heißt, dass die Türöffner verstell- und fixierbar sind. Das bedeutet eine große Arbeitserleichterung bei der Montage: Die Schraublöcher im Schließblech des Türöffners sind oval gefräst. Das Türöffnergehäuse kann darin nach der Montage waagerecht verstellt, auf die Schlossfalle ausgerichtet und in Rastrillen fixiert werden.

Die FaFix-Eigenschaft eines Türöffners sorgt dafür, dass auch die Türöffnerfalle verstell- und fixierbar ist. Der große Fallen-Fixierungsbereich (FaFix) erleichtert dabei nicht nur die Erstinstallation, sondern begünstigt auch nach dem Einbau noch eine unkomplizierte Justierung der Türöffnerfalle auf die Schlossfalle. Bei der Radiusfalle (ab ca. 1990) schwenkt die Türöffnerfalle beim Öffnen nicht aus, sondern bewegt sich ins Türöffnergehäuse. Damit kann die übliche Zargenaussparung im Fallenaufklappbereich minimiert werden.

Der Lineartüröffner

Die Lineartüröffner-Technologie gibt es seit 2001. Dabei dreht die Türöffnerfalle nicht mehr auf, sondern kippt nur ca. 5 ° aus der Ausgangsstellung. Dabei wird die Kraft zum Öffnen der Tür geschickt auf einen linearen Schieber umgeleitet, der die Schlossfalle zurückdrückt. Je größer die Kraft zum Öffnen der Tür ist, umso kräftiger ist die lineare Schiebebewegung.

Der Vorteil: Da die Türöffnerfalle nicht aufdreht, ist am Türspiegel in den meisten Fällen keine Fallenaussparung erforderlich. Die Dichtung der Tür bleibt ununterbrochen und durchgehend, so dass dem Wärmeverlust vorgebeugt wird und die Tür außerdem schalldichter wird.

Eine nächste interessante Entwicklung gab es im Jahr 2004, als das seit 1995 bestehende ProFix-System weiterentwickelt wurde. ProFix-Systeme sind Radiustüröffner mit neuer Fallenführung: Die Fallenführung ist direkt am Türöffner angebracht. Damit ist zum ersten Mal eine Kombination von Radiustüröffnern mit Schlossfallenführung möglich; die übliche Zargenaussparung im Fallenaufklappbereich kann somit entfallen. Flachschließbleche für ProFix-Türöffner sind universell für DIN linke und DIN rechte Türen einsetzbar.

Elektromagnete, Elektromotoren und BUS-Systeme

Seit 2004 gibt es auch Türöffner, die einen Elektromotor zur Entriegelung verwenden, hauptsächlich werden aber noch Elektromagnete eingesetzt. Heute werden außerdem bereits BUS-Systeme in Türöffner integriert. Durch diese Technologie können alle an der Tür befindlichen Komponenten miteinander kommunizieren. Schließlich gibt es seit 2006 Lineartüröffner mit Elektromotorantrieb, die auch mit selbstverriegelnden Einsteckschlössern funktionieren. Die Tür ist dabei im geschlossenen Zustand immer versicherungstechnisch verriegelt, kann aber trotzdem über einen Knopfdruck geöffnet werden. Von innen lässt sich die Tür über den Türdrücker wie gewohnt öffnen, von außen nur mit dem Schlüssel oder bspw. mit einem Chipleser, einer Codetastatur etc.

Komfort, Sicherheit und Safety

Die Idee hinter dem Türöffner war ursprünglich sicherlich die Bequemlichkeit: Eine Tür kann elektrisch komfortabel freigegeben werden (durch Taster, z. B. an der Sprechanlage oder durch Zutrittskontrolle mit Chip, Code, Magnetkarte oder Biometrie etc.). All das ist zuverlässige und bewährte Technik mit relativ geringem Installationsaufwand, aber großem Komfort.

Durch den beschriebenen Lineartüröffner mit Elektromotorantrieb kommen zum Convenience-Gedanken nun auch Security und Safety hinzu. D.h. neben dem Komfort hat man mehr Sicherheit im Sinne von Einbruchschutz und Rettungswegtechnik. Für die Zukunft eröffnen sich nicht nur in diesem Bereich immer weitere Entwicklungsmöglichkeiten, die mit der Weiterentwicklung der Türen selbst zusammenhängen: Die Funktionalität der Türen wird erweitert, die Ansprüche an Design, Schallschutz, Dichtigkeit etc. steigen. Diese Entwicklung beeinflusst auch die Türöffnerentwicklung.

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