Safety

Sicher oder nicht? Wie lassen sich Strahlenbelastungen zuverlässig überprüfen?

02.06.2020 -

Zum Schutz von Personen in der Arbeitswelt wurden nationale und internationale Grenzwerte für Gefahrstoffe, aber auch für die Strahlenbelastung erlassen und ihre Einhaltung ist verpflichtend. Für eine Beurteilung, ob die Grenzwerte eingehalten werden oder nicht, braucht es zuverlässige Messverfahren und Messinstrumente. GIT SICHERHEIT sprach mit Martin Meisenburg, Geschäftsführer bei Narda STS, über aktuelle Entwicklungen auf diesem Gebiet. Sein Unternehmen hat sich seit der Gründung im Jahr 2000 durch die Entwicklung präziser, zuverlässiger und qualitativ hochwertiger Messinstrumente zu einem der weltweit führenden Anbieter von HF-Messtechnik-Lösungen entwickelt.

GIT SICHERHEIT: Herr Meisenburg, Sie sind seit einem Jahr Geschäftsführer von Narda STS. Können Sie uns einen Überblick geben, in welchen sicherheitsrelevanten Bereichen Ihr Unternehmen aktiv ist?

Martin Meisenburg: Narda Safety Test Solutions entwickelt, produziert und vertreibt Messtechnik für unterschiedliche Einsatzgebiete. Neben HF- („Testing“) und EMV-Messtechnik („EMC“) bildet der sicherheitsrelevante Bereich „Safety“ EMF-Messtechnik für nichtionisierende Strahlung im Umwelt- und Arbeitsschutz ab. Er umfasst bei uns elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder (EMF) von 0 Hz bis 100 GHz und darüber hinaus. Innerhalb dieser Sparte unterscheiden wir Expositionen durch hochfrequente und niederfrequente Feldquellen. Dabei sind Radar-, Rundfunk- und Mobilfunk-Sendeanlagen, sog. Basisstationen, die Satelliten-Kommunikation, Mikrowellen, aber auch Leckagen an elektrischen Kabeln und Hohlleitern gängige Beispiele für Quellen hochfrequenter Felder. Niederfrequente Strahlung oder Magnetfelder können z. B. von Stromversorgungsanlagen herrühren im Bereich Eisenbahn/Transportwesen oder in der Nähe von industriellen Anlagen zum Schweißen, Schmelzen oder Härten entstehen. Narda stellt für Sicherheitsmessungen die kalibrierte und akkreditierte Messtechnik zum Umwelt- und Arbeitsschutz zur Verfügung. Diese liefert eine verlässliche und sichere Aussage, ob nationale bzw. internationale Grenzwerte zum Schutz der Gesundheit eingehalten werden oder nicht.

Welche Aufgaben nehmen Sie war?

Martin Meisenburg: Seit circa einem Jahr verantworte ich das Technologie-Unternehmen als neuer Geschäftsführer. Meine Hauptaufgabe in dieser Funktion besteht darin, das profitable Wachstum der Firma weiter voranzutreiben. Dabei gilt es in erster Linie, durch Produkt-Innovationen die Herausforderungen der Zukunft im Bereich EMF zu antizipieren und technologisch zu meistern. Demzufolge werden wir unsere Kunden auch weiterhin bestmöglich mit zukunftssicheren, attraktiven Produkten und Services unterstützen.

Welche neuen Entwicklungen gibt es von Narda in den oben genannten Bereichen?

Martin Meisenburg: Im Bereich Safety haben wir mit dem RadMan 2 vor Kurzem die neue Generation unserer Personenschutz-Monitore herausgebracht. Sie folgt auf den Ur-RadMan der ersten Generation. Über 20 Jahre lang hat dieser als Marktführer Beschäftigte im HF-Umfeld weltweit zuverlässig vor Sicherheitsgefahren durch unzulässig hohe Expositionen gewarnt. Darüber hinaus sind wir dabei, das „SRM-3006“, unser frequenzselektives EMF-Messgerät, weiterzuentwickeln, um auch die kommenden Anforderungen durch den nächsten Mobilfunk-Standard 5G gewohnt sicher abdecken zu können.

Wo kommen die Personenschutz-Monitore zum Einsatz?

Martin Meisenburg: Der neue RadMan 2 ist ein Personenschutz-Monitor, der am Körper getragen wird. Ein solcher „Personal Monitor“ überwacht als Teil der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) elektromagnetische Felder und warnt Beschäftigte verlässlich vor unzulässig hohen Feldstärken. Damit muss potenziell vor allem bei Arbeiten in der Nähe von Industrieanlagen, Rundfunk- oder Mobilfunk-Stationen, Radaranlagen oder anderen elektromagnetischen Strahlungsquellen gerechnet werden. Neben der Standardausführung, dem RadMan 2LT, bis 8 GHz gibt es mit dem Kürzel „2XT“ auch eine erweiterte Version, die Techniker bei Frequenzen bis zu 60 GHz zuverlässig warnt. Damit kann dieses Gerät auch bei Arbeiten in Verbindung mit dem neuen Mobilfunk-Standard 5G zum Einsatz kommen. Beide Personal Monitore warnen akustisch, optisch und sogar haptisch – unüberhörbar laut, sehr hell mit einer 270°-Rundum-Leuchtanzeige und zusätzlich unterstützt von einem Vibrationsalarm.

Welches Instrument empfehlen Sie für die ­Überwachung der Strahlenbelastung im Zusammenhang mit dem neuen Mobilfunk-Standard 5G?

Martin Meisenburg: Im Rahmen des neuen Mobilfunkstandards 5G wird das SRM-3006, unser frequenzselektives Messgerät, zum einen mit einer neuen Antenne für kommende Mobilfunk-Frequenzen im Millimeter-Wellen-Bereich erweitert. Dies erlaubt auch Messungen bei jenen höheren Frequenzen, wie sie im industriellen Umfeld in Zukunft – Stichwort Industrie 4.0 – eingesetzt werden sollen. Darüber hinaus wird das SRM-3006 um die sogenannte codebasierte Messung, auch „Hochrechnung“ oder „Extrapolation“ genannt, erweitert. Die Schwierigkeit für die Messungen auch jetzt bei 5G in Verbindung mit „Beamforming“ (Strahlenbündelung) und „massive MIMO“ („Multiple Input Multiple Output“-Technik) besteht darin, dass die Messergebnisse sehr stark vom Ort und Zeitpunkt der Messung abhängen. Hier hilft die codebasierte Messung.

EMF-Messungen sind aktuell ein heikles Thema. Können Sie einen Rat geben, wie man hier verfahren sollte, solange noch kein endgültiges Regelwerk vorhanden ist?

Martin Meisenburg: Unsere Messtechnik zur Prüfung, ob Grenzwerte eingehalten werden, existiert bereits heute in Form von Personenschutz-Ausrüstung, Breitband- und selektiver Messtechnik. Einzig die „Hochrechnung“ aus dem empfangenen Mobilfunk-Signal befindet sich noch im Stadium der Standardisierung und in der Verabschiedung in verschiedenen nationalen und internationalen Gremien. Hochrechnung bedeutet, dass aus dem momentan empfangenen Mobilfunk-Signal auf das Anlagenmaximum extrapoliert werden kann. Das heißt, hierzu wird automatisch mit Hilfe der sogenannten Signalisierung – das sind Informationen, die parallel zum Traffic permanent als fester Bestandteil des Signals mitgesendet werden – auf die maximal mögliche Strahlung hochgerechnet. Völlig unabhängig davon, wie viel Mobilfunk-Verkehr gerade herrscht. Der beauftragte Messtechniker muss mit seinen Messungen nicht warten, bis die Anlage tatsächlich unter der maximalen Last betrieben wird. Diese Hochrechnung existiert auch schon bei den älteren Mobilfunk-Standards wie LTE (FDD, TDD) und wird weltweit eingesetzt, um jederzeit sicher die maximal mögliche Strahlung eines Mobilfunk-Senders, quasi den „Worst Case“, ermitteln zu können.

Mit Ihrem Praxis-Handbuch helfen Sie bei schnellen und zuverlässigen Sicherheitsbeurteilungen in hochfrequenten elektromagnetischen Feldern. Für wen ist der Rat­geber gedacht?

Martin Meisenburg: Unser Praxis-Handbuch zur Feldstärke-Messtechnik richtet sich primär an alle Anwender unseres frequenzselektiven Messgerätes SRM-3006 und solche, die es werden wollen. Das Werk erschließt einem breiten Anwenderkreis die wertvollen Lehrinhalte unserer exklusiven Trainings und Seminare zum Umgang mit dem SRM-3006. Sein Inhalt ist aus zahlreichen Praxissituationen, aus konkreten Messaufgaben der Anwender und unzähligen Kursen, die Narda für seine Kunden veranstaltet hat, entstanden. Kunden sind in erster Linie Regulatoren und Frequenzaufsichtsbehörden, aber auch Mobilfunk-, Rundfunk- und Sicherheitsfunk-Betreiber sowie Umweltbehörden. Das SRM-3006 hat sich in der Branche seit Längerem als Standardgerät für schnelle und zuverlässige Sicherheitsbeurteilungen in hochfrequenten elektromagnetischen Feldern etabliert.

5G ist in aller Munde. Skeptiker warnen vor den Gefahren eines flächendeckenden 5G-Ausbaus. Wie beurteilen Sie die Technik und was können wir tun, um die Diskussion wieder auf die Sach­ebene zu bringen?

Martin Meisenburg: Als Messtechnik-Hersteller wollen wir uns nicht an Debatten beteiligen, wie gefährlich oder ungefährlich der neue Mobilfunk-Standard für die Gesundheit der Bevölkerung bzw. von Beschäftigten ist. Für uns ist entscheidend, dass wir die Einhaltung der geltenden Grenzwerte verlässlich überprüfen können. Die verschiedenen nationalen und internationalen Grenzwerte wie ICNIRP, IEEE oder Safety Code 6 wurden von ausgewiesenen Experten, auch aus der Medizin, festgelegt. Unsere Messtechnik unterstützt all diese Grenzwerte. Allein auf dieser Grundlage ist dann definiert, ab wann ein elektromagnetisches Feld als gefährlich respektive gesundheitsschädlich gilt. Unsere Beobachtung ist, dass mit jedem neuen Mobilfunk-Standard wie GSM damals in den Neunzigern, UMTS um 2000 sowie LTE 2010 und aktuell eben auch mit dem neuen 5G die Bedenken innerhalb der Bevölkerung vor gesundheitlichen Schäden regelmäßig sehr groß sind. Für gewöhnlich legt sich das dann aber mit der Zeit. Wir können insofern mit Fakten und Zahlen, also reproduzierbaren Messergebnissen, zur Sicherheit beitragen, als wir die verlässliche Messtechnik zur Überprüfung dieser Grenzwerte bereitstellen. Denn durch unsere langjährige Erfahrung und Expertise im Bereich EMF-Safety, einer äußerst komplizierten und komplexen Disziplin, sind wir in der Lage, Verunsicherungen bezüglich elektromagnetischer Felder jederzeit mit verlässlichen Messwerten zu begegnen. Wenn es also darum geht, die teilweise recht emotional geführten Diskussionen wieder zu versachlichen, kann Narda wie kaum ein anderes Unternehmen die Einhaltung international gültiger Grenzwerte durch reale Messungen im Feld sicher und verlässlich überprüfen.

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