Maschinensicherheitsnormen in der Praxis Teil 5

Für die Sicherheit von Maschinen gibt es drei Gruppen von Normen, nämlich die Gruppen A, B und C. In einer mehrteiligen Artikelserie für GIT SICHERHEIT befasst sich Jens Rothenburg von Euchner vor allem mit den übergeordneten A- und B-Normen – und der Frage, wie sie im praktischen Umgang gut zu ­nutzen sind. Jens Rothenburg ist im Produktmanagement von Euchner ­tätig. Er betreut außerdem Normengremien, Berufsgenossenschaftenund Verbände. Im folgenden fünften Teil geht es um spezielle Regelungen zur Risiko­beurteilung von Drehmaschinen.

In den beiden vorhergehenden Beiträgen wurden Möglichkeiten zur Risikobeurteilung nach übergeordneten Normen, sogenannten B-Normen, vorgestellt. Für Drehmaschinen steht aber auch eine C-Norm, die EN ISO 23125, zur Verfügung. In dieser sind einige Regelungen zur Risikobeurteilung speziell bei Drehmaschinen aufgeführt.

Kapitel 4 der Norm enthält eine Liste mit möglichen signifikanten Gefährdungen. Sie dient dem Konstrukteur als Hilfestellung, welche Gefährdungen zu beurteilen sind. Wie bei C-Normen üblich, sind dies die Gefahrenstellen in der Maschine, wie z. B. der Arbeitsbereich oder der Bereich des Späneförderers, aber auch die Gefahren selbst, wie z. B. Herausschleudern von Teilen oder auch Erfassen und Einziehen von Teilen. Selbst Gefährdungen, die von Feuer oder Explosion ausgehen, werden von der C-Norm mit behandelt.

Folgende Gefährdungen sind zu betrachten:

  • Mechanische Gefährdungen
  • Elektrische Gefährdungen
  • Thermische Gefährdungen
  • Lärm-Gefährdungen
  • Strahlungs-Gefährdungen
  • Material-/Substanzgefährdungen
  • Ergonomische Gefährdungen
  • Gefährdungen im Zusammenhang mit der Einsatzumgebung der Maschine

Diese Gefährdungen wiederum werden unterteilt in gefährliche Situationen und gefährliche Ereignisse. Bei mechanischen Gefährdungen könnten das zum Beispiel folgende sein:

  • Beschleunigung/Abbremsung (kinematische Energie)
  • spitze Teile
  • Annäherung eines sich bewegenden Teils an ein feststehendes Teil

Diese Gefährdungen wiederum werden unterteilt in gefährliche Situationen und gefährliche Ereignisse.

Bei mechanischen Gefährdungen könnten das zum Beispiel folgende sein:
Beschleunigung/Abbremsung (kinematische Energie)
spitze Teile
Annäherung eines sich bewegenden Teils an ein feststehendes Teil

Die Gefährdungen werden sehr spezifisch behandelt und in einer Tabelle zusammengetragen. Für jede Gefährdung wird auf den Abschnitt in der Norm verwiesen, was bezüglich jedes einzelnen Punktes zu beachten ist.

Kapitel 5.11 der Norm mit dem Titel „Besondere Anforderungen infolge von Gefahren durch Ausfall der Steuerung“ enthält eine Tabelle für den geforderten PL. Die Betrachtung in der Norm ist hier umgekehrt – die Risikominderung wird durch steuerungstechnische Maßnahmen erreicht. Dazu muss die jeweilige Maßnahme einen PL erfüllen. Dieser PL muss aber zumindest dem PLr der Gefahrenstelle entsprechen.

Auch hierzu wieder ein Beispiel aus der Norm: Die Risikominderung durch eine Schutztür im Arbeitsbereich durch den Bediener muss mindestens Kategorie 3 und PL d erfüllen.
Normativ wird das ein wenig umständlicher formuliert – es heißt hierzu in der Tabelle:

In dieser Tabelle wird neben dem PL für die Schaltung auch die Kategorie vorgegeben. Nach EN ISO 13849-1 könnte der PL d auch mit einer Kategorie 2 Schaltung erreicht werden, was entsprechend der Tabelle für die Drehmaschine aber nicht geeignet ist. Es muss die Kategorie 3 erfüllt werden.

Die Risikobeurteilung nach ISO 13849-1 Anhang A ergibt einen benötigten Performance Level (PLr = Performancel Level required). Die Beurteilung nach EN 62061 dagegen einen SIL (Safety Integrity Level). Die EN ISO 12100 lässt völlig frei, wie das Ergebnis der Risikobeurteilung auszusehen hat. Die EN ISO 23125 enthält im Abschnitt 5.11 eine Tabelle zur Risikobeurteilung, die einen PLr für spezifische Gefährdungen an Drehmaschinen ergibt. Die technische Risikominderung wird ebenfalls nach EN ISO 13849-1 beurteilt. Somit ist der Vergleich des PLr mit dem PL der steuerungstechnischen Maßnahmen sehr einfach. Deshalb ist die Angabe eines PLr in der EN ISO 23125 sehr hilfreich.

Übersicht der Gefährdungen und Verweisungen auf Typ B-Normen aus der EN ISO 23125
(Auszug)

 

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