Leistungsanforderungen gehen über die Normen hinaus

  • Body-Language-Optik und körperbetonter Schnitt verleihen dem Träger eine attraktive, unübersehbare Silhouette - Am Beispiel der neuen Warnschutzproduktlinie Kübler ReflectiqBody-Language-Optik und körperbetonter Schnitt verleihen dem Träger eine attraktive, unübersehbare Silhouette - Am Beispiel der neuen Warnschutzproduktlinie Kübler Reflectiq
  • Body-Language-Optik und körperbetonter Schnitt verleihen dem Träger eine attraktive, unübersehbare Silhouette - Am Beispiel der neuen Warnschutzproduktlinie Kübler Reflectiq
  • Joachim Geyer, Key Account Manager bei der Paul H. Kübler Bekleidung

Der Einsatz von PSA verlangt von Fachkräften für Arbeitssicherheit mehr als profundes Wissen über aktuelle Normen und Rechtsvorschriften. Durch neue Produktionsverfahren und Maschinen, aber auch durch Innovationen bei Geweben und modische Einflüsse ändern sich die Anforderungen an die Schutzbekleidung permanent. Worauf das Augen­merk gerichtet werden sollte und wie sich die Erwartungen der Anwender erfüllen lassen, erläutert Joachim Geyer, Key Account Manager bei Paul H. Kübler Bekleidungswerk in Plüderhausen, im ­Gespräch mit GIT SICHERHEIT.

GIT SICHERHEIT: Herr Geyer, Welches sind die wichtigsten Qualitätskriterien bei PSA?

Joachim Geyer: Die grundsätzlichen Anforderungen an ergonomische Gestaltung, Tragekomfort, Unschädlichkeit der Materialien und Handhabung von Schutzbekleidung sind in der EN ISO 13688 definiert, welche die EN 340 abgelöst hat. Sie steht nicht für sich allein, sondern ist stets in Kombination mit anderen Normen. Hier sei nur die Warnschutznorm EN ISO 20471, genannt, in der die Leistungsmerkmale für eine gute Sichtbarkeit des Trägers bei Tag und Nacht spezifiziert sind. Trotz dieser komplexen Regelwerke kann sich PSA abhängig von der Material- und Verarbeitungsqualität in Ergonomie, tragephysiologischen Eigenschaften, Bewegungsfreundlichkeit und Standzeiten beträchtlich unterscheiden.

Wo tun sich Unterschiede auf?

Joachim Geyer: Auf dem Markt befinden sich Produkte, welche die Mindestanforderungen einhalten und andere, die deutlich besser sind als gefordert. Das kann sowohl Schutzfunktion als auch Standzeit direkt beeinflussen. Ein Beispiel ist der Stehumlegekragen bei Schweißerschutzjacken. Er stellt im Unterschied zur herkömmlichen Hemdenkragenkonstruktion sicher, dass sich Gesichtsschutz und Kragen überlappen und damit keine Metallspritzer auf die Haut gelangen können. Auch bei Schutzbekleidung gegen die Einwirkung von Störlichtbogen (EN ISO 61482-1-2), wie sie beispielsweise bei der Wartung von Schaltschränken getragen wird, empfiehlt sich dieser Kragentyp.

Ein anderes Beispiel sind die Fläche und Platzierung von Reflexmaterial auf Warnschutzanzügen. Durch „Body-Language“, bei der die Reflexstreifen über die Normenanforderungen hinaus die Körperkontur nachzeichnen, lassen sich die Wahrnehmung und Sichtbarkeit des Trägers bei Dunkelheit deutlich steigern. Das beweisen die in aufwendigen Untersuchungen ermittelten Spiderdiagramme aus dem 3M-Labor. Hinsichtlich der Standzeit weisen Gewebe, welche die Grenzwerte bei Beflammungstests oder bei Messungen von Leuchtdichtefaktor und Reflexwirkung übererfüllen, klare Vorteile auf.

Man muss sich die Bekleidung also sehr genau anschauen, um beurteilen zu können, wie leistungsfähig sie ist?

Joachim Geyer: Wir gehen noch einen Schritt weiter und empfehlen, wenn möglich verschiedene Varianten in einem Trageversuch durch ausgewählte Mitarbeiter auf Funktion und Tragekomfort sowie Eignung für das vorgesehene Gewerk zu prüfen. Wer häufig Steigearbeiten in engen Schächten verrichten muss, weiß schnell zu schätzen, wenn das Hosenbein dank vorverlegter Seitennähte leicht über die Knie gleitet. Auch die Vorteile vorgeformter Ärmel erklären sich spätestens bei Überkopfarbeiten von selbst. Das Gleiche gilt für ergonomisch platzierte Taschen, die Zugriff und Verstauen von mitgeführten Utensilien erleichtern. Um das für den jeweiligen Tätigkeitsbereich optimale Produkt zu finden, ist es hilfreich, alle Beteiligten in die Kommunikation einzubinden, also Führungskräfte, Betriebsärzte, Sicherheitsfachkräfte und -beauftragte, Mitarbeiter sowie Händler bzw. Hersteller.

Was darf man heute in punkto Design und Tragekomfort bei Schutzbekleidung erwarten?

Joachim Geyer: Moderne PSA-Kollektionen orientieren sich – soweit es die Normen erlauben – an aktueller Outdoorkleidung, sie sind figurbetonter, optisch ansprechender und darüber hinaus CI-gerechter geworden. Um dennoch die für Arbeitsbekleidung notwendige Bewegungsfreiheit zu bieten, statten wir die Jacken mit Bewegungsfalten, verlängerter Rückenpartie sowie vorgeformten Ellbogen aus. Bei den Hosen haben sich die bereits erwähnten vorverlegten Seitennähte bewährt. Augenmerk sollte auch auf die Hautfreundlichkeit der Kleidung gelegt werden. Durch entsprechende Materialkompositionen wird erreicht, dass natürliche Fasern auf der körperzugewandten Seite verarbeitet werden. Dies beugt Hautirritationen vor, selbst wenn der Träger in der Bekleidung stark schwitzt.

Im Markt ist ein Trend zu immer leichterer Schutzbekleidung zu erkennen, was dem Tragekomfort zugutekommt. Doch wie sieht es mit den Standzeiten und der Funktionalität aus?

Joachim Geyer: In der Tat weisen leichte Gewebe beim Einsatz in bestimmten Gewerken, in denen die mechanische Belastung durch Flexen und Schweißen hoch ist, eine kürzere Standzeit auf. Die Kunst liegt in der Mitte: maximaler Schutz bei hohem Tragekomfort und vertretbarer Standzeit. Gewebekompositionen mit Aramidanteil sind relativ leicht und haben den Vorteil, dass sie bei thermischer Einwirkung nicht aufbrechen, sondern verglasen. Damit sind Verbrennungen zweiten Grades praktisch ausgeschlossen.

Welche Fehler gilt es beim täglichen Einsatz von PSA zu verhindern?

Joachim Geyer: Grundsätzlich gilt, keine PSA-Empfehlung ohne Gefährdungsbeurteilung. Manch einer verfährt nach dem Motto „Viel hilft viel“. So sind im Bereich Schweißerschutz (EN ISO 11611) teilweise Bekleidungen mit über 500 g/m² Warengewicht im Einsatz, die die Leistungsklasse 1 bis 15 Tropfen Schweißabfall erfüllen. Der Träger könnte sehr viel komfortabler ausgestattet werden, wenn beispielsweise die von uns bei Safety 6 angebotene 340 g/m² schwere Ware eingesetzt werden würde. Die beste Schutzbekleidung kann ihre Wirkung allerdings nicht oder nur eingeschränkt entfalten, wenn sie falsch angewendet wird. Die Praxis zeigt: der größte Feind ist die Routine. So setzt der Schutz vor Hitze, Störlichtbogen und elektrostatischer Aufladung zwingend voraus, dass die Kleidung geschlossen getragen und mit geeignetem Kopf-, Hand- und Fußschutz kombiniert wird. In der Praxis bleiben die Jacken jedoch häufig offen. Oft wird die Pflege der PSA vernachlässigt. Wer aber verschmutzte Warnschutzkleidung trägt, läuft Gefahr, im Straßenverkehr nicht mehr rechtzeitig erkannt zu werden. Um die Funktionsfähigkeit der PSA sicherzustellen, ist es unbedingt erforderlich, die Herstellerinformation zu beachten. Sie enthält unter anderem alle Pflegeanweisungen. Besondere Vorsicht ist auch bei der Veredelung von PSA der Zertifizierungskategorie II und III geboten.

Worauf muss bei der Veredelung von Schutzbekleidung geachtet werden?

Joachim Geyer: Für jedes in diese Kategorien eingestufte PSA-Modell existiert zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens eine EG-Baumusterprüfbescheinigung von einem anerkannten Prüfinstitut wie dem Sächsischen Textilforschungsinstitut. Um die Sicherheit des Trägers zu gewährleisten und im Schadensfall alle Unterlagen verfügbar zu haben, müssen nachträgliche Veränderungen der Bekleidungsteile vor der Veredelung vom entsprechenden Prüfinstitut freigegeben werden. Grundsätzlich dürfen nur flammhemmende Embleme, Reflexstreifen, Garne und Patches verwendet werden. Im Falle eines flammhemmenden Patchabzeichens wird eine Kombinationsprüfung mit dem jeweils vorgesehenen Gewebe der PSA-Bekleidung verlangt, weil das Abbrennverhalten je nach Untergrundmaterial differiert und die Schutzwirkung negativ beeinflussen kann. Folgende Punkte sind zu beachten:

  1. Zum Zeitpunkt der Zertifizierung bereits angebrachtes Zubehör wird durch die Zertifizierungsstelle geprüft und bewertet und ist damit sicher
  2. Auf Kundenwunsch nachträglich anzubringendes Zubehör ist unbedingt vor der Umsetzung anzuzeigen
  3. Im Zweifelsfall muss der CI-Gedanke gegenüber Schutz und Sicherheit für den Träger zurückstehen
  4. Um die Schutzfunktion und damit die Gültigkeit des Zertifikats nicht zu gefährden, empfehlen wir unseren Kunden, PSA-Bekleidung nur vom Konfektionär veredeln zu lassen.

Als Hersteller sehen wir uns generell in der Pflicht, den Fachkräften für Arbeitssicherheit beratend zur Seite zu stehen. Gemeinsam mit ihnen ermitteln wir die Anforderungen, was nicht zuletzt zur Kostenoptimierung beiträgt.

Kontaktieren

Paul H. Kübler Bekleidungswerk GmbH & Co.KG
Jakob-Schüle-Str. 11-25
73655 Plüderhausen
Telefon: +49 7181/8003-0
Telefax: +49 7181/8003-31

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