Sicherheitsmanager: Vertrauensbildung durch fachliche Kompetenz

Sicherheitsmanager: Vertrauensbildung durch fachliche Kompetenz. In großen Unternehmen ist die Benennung eines Sicherheitsmanagers als Standard anzusehen. Aber auch in kleineren Betrieben sind sie tätig – wenn auch in geringerem Maße. Sind die dabei verwendeten Begriffe wie Sicherheitsbeauftragter, Sicherheitsbevollmächtigter oder Sicherheitsverantwortlicher häufig unterschiedlich, so ist doch begrifflich stets eine Person gemeint, die sich um die Sicherheitsbelange des Unternehmens kümmert und "sicherstellen" soll, dass nichts passiert.

Der Inhalt seiner Tätigkeit ist indes in stetigem Wandel begriffen: Rainer Hannich, Zentraler Schutzbeauftragter der Nord/ LB, erläutert in seinem Beitrag, was dies heute bedeuten kann. Er ist Teil einer dreiteiligen Serie des Autors in GIT SICHERHEIT, die aktuelle Fragestellungen der Sicherheit in Kreditinstituten und darüber hinaus vorstellt.

Gesetzlich definiert und vorgeschrieben sind Einsatz und Aufgaben von Sicherheitsbeauftragten lediglich bei den "Geheimschutzbetreuten Unternehmen". Ansonsten ist das Themenspektrum kaum abgegrenzt – eine Ausnahme ist lediglich die IT-Sicherheit: Sie wird meistens als eigener Aufgabenkreis an einen dafür allein zuständigen Mitarbeiter übertragen.

Neben der Sicherung der Objekte, Einrichtungen und Werte eines Unternehmens gegen gewaltsame Angriffe – unabhängig davon, ob es eigene oder von Kunden anvertraute Werte sind –, sind auch andere Risiken wie z.B. Brand, Bombendrohung oder der Fund sprengstoffverdächtiger Gegenstände zu berücksichtigen. In Kreditinstituten kommen spezielle Gefährdungen durch Überfälle und/oder Geiselnahmen hinzu. Schließlich gilt es, Zugangskontrollen und Brandschutzmaßnahmen und ggf. Hochwasser zu berücksichtigen. Aber auch mit internen Problemen wie Diebstahl, Unterschlagung oder Vandalismus sieht sich der Sicherheitsmanager konfrontiert.

In den letzten Jahren hat darüber hinaus die Existenzsicherung, d.h. Vorkehrungen gegen operationelle Risiken einen hohen Stellenwert eingenommen. Nahezu jedes Unternehmen muss sich die Frage stellen: Sind wir ausreichend gegen Risiken aus dem Alltag geschützt?

Haben wir Vorkehrungen getroffen, dass die Schäden verhindert oder verringert werden? Wo können wir den Geschäftsbetrieb innerhalb kürzester Zeit (eingeschränkt) wieder aufnehmen, um die Geschäftsgrundlage nicht aufs Spiel zu setzen? Insofern kommen Notfallsituationen und Wiederanlaufplanungen zu den Aufgaben hinzu.

Akzeptanz und Vertrauen

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Tätigkeit des Sicherheitsmanagers ist, dass er von der Unternehmensleitung einen Vertrauensvorschuss erhält. Dieser ist unverzichtbar, da die Tätigkeit häufig mit sensiblen Informationen und Aufgaben verbunden ist und das Wissen unbedingt im Hause bleiben muss. Untrennbar verbunden ist damit seine Loyalität. Beide Eigenschaften sind jedoch nicht automatisch und auf Dauer vorhanden. Vielmehr ist der Sicherheitsmanager in der Pflicht und Verantwortung, die in ihn gesetzten Erwartungen zu bestätigen.

Dies kann in vielfältiger Hinsicht dokumentiert werden. Einerseits ist Verschwiegenheit wesentlich, obwohl der Sicherheitsmanager immer wieder auf die Hilfe und Unterstützung innerhalb des Hauses aber auch von extern (Polizei, Verbände, evtl. Dienstleister, Berater) angewiesen ist. Des Weiteren wird vom Sicherheitsmanager erwartet, dass er Erfolge erzielt und dabei – z.B. durch Kontakte und Verbindungen – kreative Methoden und Wege einschlägt. Dieses Vertrauen muss auch anerkannt und honoriert werden.

Durchsetzungs- und Kompromissfähigkeit

Innerhalb des Unternehmens kann der Sicherheitsmanager dann für das Unternehmen ergebnisorientiert arbeiten, wenn er seine Ziele überzeugend und hartnäckig verfolgt. Hilfreich ist es, sich gedanklich "auf die andere Seite" zu stellen und sich mit der simplen Frage auseinander zu setzen: Was würde ich von dem Vorschlag des Sicherheitsmanagers halten? Eine weitere wesentliche Eigenschaft des Sicherheitsmanagers sollte es sein, auch Kompromisse und Teilschritte, die in die richtige Richtung zielen, mitzutragen.

Betrachtet man die Aufbereitung und Analyse von Ereignissen, Pannen und Krisen, so stellt man fest, dass häufig die Schuldfrage gestellt wird. Ein Erfolgsrezept ist hier, nicht der Frage nachzugehen, wer wann was nicht getan hat oder hätte tun sollen. Vergangenheitsorientierte Untersuchungen helfen bei der Lösungsfrage nicht weiter. Viel wichtiger: Wenn diese Frage ausgeklammert wird, sind viele Beteiligte erleichtert, sich nicht rechtfertigen zu müssen. Ebenso hilfreich ist es, wenn der Sicherheitsmanager als realistisch handelnder und fairer Gesprächspartner gesucht wird – ohne dass er seine Ziele und Aufgaben aus den Augen verliert.

Der Sicherheitsmanager als Kontakt- und Schnittstelle

Das Motto "Information ist eine Holschuld und nicht eine Bringschuld" gilt auch für den Sicherheitsmanager. Was bedeutet dies in der Praxis? Wenn der Sicherheitsmanager in die betrieblichen Strukturen und Abläufe aktiv eingebunden ist, wird die Arbeit insgesamt erleichtert. Zeichen dafür sind u.a., dass Fachbereiche seinen Rat zu suchen. Ein positives Signal ist auch, wenn dies in einigen Fällen auf der inoffiziellen Ebene geschieht. Dann kann der Anfragende davon ausgehen, dass sein Anliegen nicht unbedingt zu einem Vorgang wird. Auch hier gilt: Dieses Vertrauen muss erworben und kann nicht angeordnet werden.

Ein gutes Instrument zur Erhaltung gegenseitigen Verständnisses und Unterstützung ist ein "Jour-fixe". Ohne Tagesordnung und Protokoll werden aktuelle Themen oder Probleme aber auch erste Ideen diskutiert. Hieraus können, müssen jedoch nicht gleich Aufträge und Aktivitäten ausgelöst werden. Dennoch sind derartige vertrauliche Gespräche zur Vertrauensbildung wichtig. Werden Vereinbarungen getroffen, sind diese selbstverständlich umzusetzen.

Der erfolgreiche Sicherheitsmanager benötigt ein Netz von Kontakten. Neben den staatlichen Organen (Polizei, Verfassungsschutz u.a.) sind private Institutionen (z.B. Verbände für Sicherheit in der Wirtschaft, Sachversicherungen, Berufsgenossenschaften) ebenso wichtig wie Verbindungen zu Kollegen der gleichen Branche. Hier gilt der Grundsatz: Jeder hat seine Probleme und sucht nach Lösungen, die ein anderer zwischenzeitlich vielleicht gefunden hat. Ist hier – als absolute Grundlage – Vertrauen vorhanden, so hilft man sich untereinander mit Informationen (z.B. Checklisten, Konzepten, Modellen, Unterlagen), die sonst niemals zu erhalten wären.

Telefonische Kontakte oder der moderne E-Mail-Verkehr können den persönlichen Austausch, z.B. in Arbeitsgruppen, nicht ersetzen. Bei plötzlich erforderlicher gezielter und schneller Unterstützung außerhalb des Unternehmens ist ein Netzwerk kompetenter und hilfsbereiter Personen und Institutionen unverzichtbar.

Aus- und Weiterbildung des Sicherheitsmanagers

Während es noch bis vor wenigen Jahren – sicherlich überraschend – kein Berufsbild für einen Sicherheitsmanager gab, ist zwischenzeitlich eine Vielfalt an Bildungsmöglichkeiten der unterschiedlichsten Einrichtungen vorhanden, die im Regelfall mit einer Abschlussprüfung beendet werden. Das vielfältige fachliche Anforderungsspektrum kann man sich durch individuelle Seminare und Veranstaltungen im Laufe der Zeit aneignen. Dies gilt auch für die unbedingt notwendige Weiterbildung. Hier sind auch Messen, Symposien oder die ggf. eigene Referententätigkeit bei Kongressen o.ä. zu nennen.

Bevor jedoch eine qualifizierte Ausbildung begonnen wird, ist zu klären, ob die eigenen Interessen und Fähigkeiten mit der künftigen Tätigkeit im Einklang stehen. Neben den Standardanforderungen wie Einsatzbereitschaft, Flexibilität und Überzeugungskraft gehören Eigenschaften wie Bereitschaft zu Konflikten und zum Umgang mit Menschen sowie ein Verkaufstalent hinzu. Denn Sicherheit muss ebenso an den Mann bzw. an die Frau gebracht werden wie eine Ware. Nur wenn der Verkäufer selbst von dem Produkt überzeugt ist, kommt dies auch beim Käufer an.

Fazit: Die Tätigkeit des Sicherheitsmanagers ist sehr abwechslungsreich, spannend und ermöglicht vielfach Freiräume in der Gestaltung der täglichen Arbeit.

 

KONTAKT

Rainer Hannich
Nord/LB, Hannover
Tel.: 0511/361-2808
Fax: 0511/361-4446
rainer.hannich@nordlb.de
www.nordlb.de

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