„Homeland Security“: Verwirrende Interpretationen mit eklatanten Folgen

„Homeland Security": Verwirrende Interpretationen mit eklatanten Folgen. Immer häufiger ist von „Homeland Security“ die Rede. Aber was genau ist eigentlich damit gemeint? Unser Autor Ulrich Skubsch hat sich nach dem Wissensstand erkundigt – durch beherztes Nachfragen bei 17 befreundeten Fachkollegen.

Eine Umfrage unter 17 Befragten aus dem Security-Bereich hat gezeigt, dass die Bedeutung des Begriffs „Homeland Security“ auch unter Fachleuten alles andere als klar ist. Assoziiert wird der Begriff „Homeland Security“ zwar mit den Ereignissen des 11. September, mit Terrorismus allgemein sowie den Antworten der US-Amerikaner auf diese Ereignisse. Keiner der Befragten vermochte es jedoch, den Begriff wirklich konkret zu definieren: „mannigfaltige Bestrebungen – auch in Deutschland“ seien wohl begonnen worden.

Elf der Befragten siedelten das Thema „eher im militärischen Bereich“ an. Ein Besuch im Arbeitskreis Homeland Security des Bitkom erbrachte bei den mehr als 15 Anwesenden das gleiche Ergebnis: Ratlosigkeit auf ganzer Linie.

Herkunft des Begriffs

Schaut man zunächst einmal auf die nicht ganz einfache Übersetzung des angelsächsischen Begriffs „Homeland“, so könnte man zunächst an den deutschen Begriff Heimat denken: Homeland wäre demnach eine Region, in der man geboren ist oder sich zumindest lange Zeit aufgehalten hat. Die Zugehörigkeit zur Heimat verliert man auch nicht, wenn man aus ihr wegzieht.

Noch schwieriger wird die Übersetzung, wenn man den Begriff der Sicherheit hinzufügen möchte. „Sicherheit der Heimat“ oder „des Heimatlandes“ – so lauten die verbreiteten, freilich immer noch unklaren Interpretationsversuche. Den Anlass für die Entstehung des Begriff „Homeland Security“ boten in der Tat auch die Ereignisse des 11. September 2001 mit dem bisher weltweit größten Terroranschlag.

Dazu kam die in der Aufbereitung dieses Anschlags gewonnene Erkenntnis, dass bei besserer Kommunikation und Synchronisation der Informationen – immer hinzugefügt „bei heutigem Erkenntnisstand“ – Präventionsmaßnahmen hätten hier Extremes verhüten können.

Prävention in Deutschland

Bei uns in Deutschland bestanden solche Präventionsmaßnahmen u.a.

darin, dass seit 2001 beispielsweise die Hafensicherheit verbesssert wurde. So verhindern heute – auch wenn dies teils noch recht provisorisch anmutet – Bauzäune, dass sich beliebige Touristen beim Berühren etwa der „Queen Mary 2“ fotografieren können. Noch intensiver und für jeden Reisenden spürbar sind die neuen Sicherheitsmaßnahmen an den Flughäfen.

Der Flugreisende muss heute deutlich mehr Zeit für die Kontrollen an den Gates einkalkulieren als noch vor zehn Jahren. Auch das Separieren von Flüssigkeiten in speziellen Klarsichtfolien gehört zu den neuen Sicherheitsmaßnahmen. Aber nicht nur im Passagierbereich sind stärkere Sicherheits- Aktivitäten zu bemerken. Das gesamte Flughafengelände ist betroffen: Ein unbemerkter Zutritt zum Gelände ist völlig unmöglich geworden.

Betrachtet man dagegen den Schienenverkehr, könnte man meinen, dieser werde regelrecht ausgeklammert. Auch die immer größer werdende Zahl von Kameras helfen hier nicht: Es kann der für den Zugwechsel am Bahnsteig Verantwortliche nicht gleichzeitig auch der sensible Spezialist für Kriminalprävention sein. Auch die ständig unterbesetzten, teilweise integrierten Leitstellen der Bundespolizei mit hoheitsrechtlichen Eingriffsmöglichkeiten ändern nichts daran.

Besonders unübersichtlich ist die Lage im städtischen Bereich. Insbesondere unsere föderale Struktur macht vernetzte Operationen und Maßnahmen geradezu unmöglich.

Was kann getan werden?

Die Schmerzgrenze ist offenbar noch nicht erreicht, so dass eine breite öffentliche Debatte zum Thema „Homeland Security“ derzeit nicht in Sicht ist – daher ist es auch für unsere Politiker kein Thema. Dementsprechend fehlt es an einer notwendigen Strategie, an Richtung und an Kooperation.

Die Industrie dagegen verwendet den Begriff „Homeland Security“ programmatisch. Sie nutzt ihn zur Beschreibung eines neuen Sicherheitssystems mit reformatorischen Zielen und einer breiten Palette hochmoderner technischer Instrumentarien (R. Rupprecht).

Wie ist es zu verstehen, dass in Ländern um die Bundesrepublik herum die Hochschulen unter dem Arbeitstitel Cantata mit den Niederlanden/Eindhoven als Zentrum gemeinschaftliches Forschen im Bereich „Intelligente Video-Bilddatenverarbeitung“ seit Jahren vollkommen parallel zur bundeseigenen Förder-Aktivität mit sechsstelligem Fördervolumen „Muster-Erkennung“ betreiben?

Nach Monaten der eigenen Recherche kann ich hier mit voller Überzeugung sagen: Die einen wissen vermutlich nicht was die anderen tun! Der Sache dienlich wäre allerdings auch, wenn die Kriterien zur modernen und notwendigen Prävention aber auch Strafverfolgung (z. B. Lagebeurteilung per Echtzeit-Videoübertragung im fahrenden Streifenwagen) wenigstens beim aktuell nun endlich eingeführten BOS-Digitalfunk (Tetra/Tetrapol) Berücksichtigung finden könnte.

Geradezu atemberaubend gab es behördlicherseits anlässlich einer sommerlichen Podiumsdiskussion im „Roten Rathaus“ zum Thema Homeland Security“ zu hören: „Wir erwarten im digitalen BOS-Funk einen Datenanteil von 10–15% – der Rest ist Sprachkommunikation!“ Kann es sein, dass sich hier jemand über zwölf Jahre lang in die Planung zur Realisierung und Umsetzung „verbissen“ hat, dass sein Blick für das Reale so lange ausgeschaltet war – und offensichtlich immer noch ist?

Umgekehrt sind die prozentualen Zusammenhänge zwischen Kommunikation und Echtzeit-Bildübertragung. Die deutschen Polizisten werden so noch lange Zeit darauf warten müssen, ein Lagebild in den Streifenwagen übertragen zu bekommen.

Round-Table erforderlich

Wenn wir – d. h., alle diejenigen, die unternehmens- und verbandsübergreifend sowie behördenunabhängig und mit Universitäts-Berücksichtigung und unter Zuhilfenahme der weltweit nahezu gleichlautenden Forschungsergebnisse – gemeinschaftlich etwas zum Thema Sicherheit für das Heimatland tun wollen, dann nutzen wir die Möglichkeit des großen Round Table.

Dabei ist eben nicht nur an olivgrüne Gehäuse zu denken. Beispiele für direkt nutzbare Technologien gibt es wirklich genug. Es sei an den weltweit millionenfach eingesetzten Passiv-Infrarot-Bewegungsmelder erinnert. In den 60iger Jahren war er nur zur Detektion „heißer Panzer- Motoren“ eingesetzt worden – heute gibt es ihn in den Hotelfluren zur Lichtsteuerung genauso, wie in fast jeder Einbruchmeldeanlage.

Die Videotechnik ist Schlüsseltechnologie der Neuzeit im Security-Bereich geworden: In der Schweiz – und nicht nur dort – wird uns gezeigt, wie das Verkehrswesen, die Behörden (Ordnungsamt, Polizei) und private Betreiber (Sportstätten) in nahezu standardisiertem Verbund interaktive Vernetzung zur Lagebeurteilung und weiterer Reaktion realisiert haben.

Datenschutz ist möglich

Andere Länder zeigen uns auch, wie problemlos datenschutzrechtliche Belange berücksichtigt werden können: Das Bild gibt es erst, wenn die Kriterien der Straftat erfüllt worden sind – stures Abspeichern von allen überhaupt möglichen Bilddaten ist nicht nur uneffektiv und verboten, sondern schlicht und einfach nicht notwendig!

In viele Bereiche der Sicherheitstechnik ließe sich nun fantasievoll ausschweifen – überall finden sich modernste Methoden – wenn nur das Wissen um diese ähnliche Beschleunigung erfahren könnte, wie durch deren Innovationszyklen vorgegeben wird.

Mit emotionsloser, sach- und fachgerechter Berichterstattung über Sicherheitstechnik ließe sich ein wirkungsvoller Multiplikator schaffen und so manch ein Gegner der Branche überzeugen und ins Boot holen.

Denn: Mit aktueller Technik Vertrauen schaffen und Sicherheit gewährleisten kann als Leitmotiv die Begriffsproblematik um die innere Sicherheit unseres Landes sicher verbessern!

Kontakt

Ulrich Skubsch
USK-Consult GmbH
Ing. u. Sachverständigenbüro, Scharbeutz
Tel.: 04524/74447
Fax: 04524/74448
usk-consult@skubsch.de
www.skubsch.de

Jetzt registrieren!

Die neusten Informationen direkt per Newsletter.

To prevent automated spam submissions leave this field empty.