Eventsicherheit: gründliche Sicherheitsanalyse und qualifizierte Sicherheitsdienstleister sind wichtig

  • Heiner Jerofsky, Kriminalrat a.D.Heiner Jerofsky, Kriminalrat a.D.

Eventsicherheit: gründliche Sicherheitsanalyse und qualifizierte Sicherheitsdienstleister sind wichtig. Ob Jahreshauptversammlung, Sportveranstaltung, Ausstellung, Konzert oder Messe - immer und überall ist eine angemessene Sicherheitsplanung unumgänglich. Es geht heute nicht mehr nur um die Frage von Zutrittsberechtigungen oder vorbeugenden Brandschutz. Es geht um den reibungslosen Ablauf von Veranstaltungen und den umfassenden Schutz von Personen und Sachwerten zu völlig unterschiedlichen Anlässen an allen nur denkbaren Orten. Ob im Staatstheater, Museum, in der Festhalle oder Open-Air: Sicherheits- und Wohlfühlaspekte sind je nach Größe, Anlass, Teilnehmer, Ort und Zeit für das Gelingen ebenso wichtig, wie die Qualität des Programms.

Eine nüchterne Bestandsaufnahme und eine kritische und rückhaltlose Schwachstellenanalyse - das sollte bei der Konzeption für die Sicherung eines Events immer am Anfang stehen. Denn jedes Gebäude oder Gelände hat seine individuellen Tücken, jede Problemstellung und jedes Sicherheitsbedürfnis ist anders. Erst auf diesem Wissen lässt sich eine maßgeschneiderte anlassbezogene Sicherheitsplanung aufbauen - deshalb sollte man sich zunächst einmal folgende Fragen stellen:

  • Welche relevanten Gefahren oder Risiken bestehen,
  • Welches Publikum wird erwartet und welche Störungen sind möglich?
  • Gehen von dem Event selbst Gefahren, Risiken oder Störungen aus?
  • Haben aktuelle Ereignisse, Wetter, Zahl der Teilnehmer, örtliche Verhältnisse, Zeitpunkt, Berichterstattung oder Prominente Einfluss auf die Sicherheitslage?
  • Wie waren die jüngsten Erfahrungen bei ähnlichen Anlässen?

Bei dieser systematischen Bewertung wird auch festgestellt, welche eigenen Sicherheitsvorrichtungen und -strukturen baulich/technisch bereits vorhanden bzw. einsetzbar sind und mit welchen Fremdkräften seitens des Veranstalters (Ordner, Bühnentechniker, Künstler, Kellner, Betreuer, Fahrer etc.) zu rechnen ist.

Schutzziele mit Augenmaß

Nach realistischer Risiko- und Gefahrenbewertung auf der Basis der Sicherheitsanalyse ist ein standortspezifisches Konzept mit den angestrebten individuellen Schutzzielen zu erstellen, dass alle denkbaren Sicherheitslücken und Gefahren auf ein vertretbares Restrisiko reduziert.

Diese Gesamtschutzkonzeption ist in enger Zusammenarbeit mit dem Veranstalter ggf. mit Ordnungsamt oder/und Polizei zu erörtern. Es muss situationsbedingt variabel sein und bildet die Arbeitsgrundlage für das Sicherheitsmanagement vor, während und nach der Veranstaltung.

In einzelnen Schritten werden organisatorische, personelle und baulich-technische Maßnahmen vorbereitet und mit der Gesamtplanung abgestimmt. Schon in dieser frühen Planungsphase wird die Kostenfrage relevant, denn der Veranstalter muss rechtzeitig den Preis für angemessene Sicherheit einkalkulieren. Abstriche und Qualitätsmängel führen zu riskanten Schwachstellen, die das Gelingen der gesamten Veranstaltung gefährden.

Einsatzzeiten, Anzahl und Qualifikation der Sicherheitsmitarbeiter sowie Umfang und Leistungsfähigkeit der einzusetzenden Sicherheitstechnik sind deshalb nach dem erarbeiteten Sicherheitskonzept mit Augenmaß und Sinn für Wirtschaftlichkeit zu planen.

Umfassende Leistungsbeschreibung

Umfang und Details der vorgesehenen eigenen Sicherheitsmaßnahmen bzw. die Leistungen, die durch einen Dienstleister erbracht werden, können je nach Sicherheitsbedürfnis und Wunsch des Veranstalters u.a. folgendes umfassen:

  • Einrichten und Sichern einer Einsatzzentrale,
  • Handlungsanweisung für Sicherheitspersonal,
  • Kommunikationsplanung (Funk/Telefon/Lautsprecher)
  • aktuellen Lagepläne, Checklisten bereitstellen,
  • Notfall- und Evakuierungsplanung, Krisenteam,
  • Sicherung der Veranstaltung und Streifendienste (innen und außen),
  • Informationsdienst, Akkreditierung, Ausweiswesen, Begleitung, Einweisung,
  • Zutrittsdienste, Identitätskontrolle, Personen und Taschenkontrollen,
  • Videoüberwachung, Schließwesen,
  • Besucherempfang- und betreuung,
  • Ticketing und Kassendienste, 
  • VIP-Service und Personenschutz
  • Garderobe und Fundbüro,
  • Parkplatzdienste und Verkehrsregelung,
  • Dokumentation.

Hilfreiche Sicherheitstechnik

Für die erfolgreiche Durchführung von Sicherheitsaufgaben ist die Verwendung der geeigneten technischen Ausstattung entscheidend. Das beginnt mit der geeigneten Kommunikationstechnik für alle eingesetzten Kräfte. Neben Mobil- und Betriebsfunk sind auch die Festnetzverbindungen zu prüfen und zu nutzen.Bei Großveranstaltungen empfiehlt es sich zusätzlich einen geeigneten und schnellen Zugang zur Lautsprechertechnik (ELA) aufzubauen und/oder Durchsagen vorzubereiten.

Das zu überwachende Gelände muss ausreichend abgesperrt, umzäunt, ausgeleuchtet, überwachbar bzw. vom öffentlichen Bereich klar getrennt sein. Zufahrten für Notfälle (Feuerwehr, Notarzt, Polizei) Lieferanten, Personal und VIPs sind einzurichten. Automatische Zugangskontrollsysteme helfen mit Drehtüren und -kreuzen, Lesegeräten und Schranken die Teilnehmer kontrolliert einzulassen.

Je nach Gefährdungslage sind Tor- und Handsonden zur Kontrolle nach metallischen Gegenständen (Waffen) bei Personen oder Röntgenprüfgeräte zur Gepäckkontrolle einzusetzen. Im gesamten Veranstaltungsraum, aber auch im Außenbereich und besonders an den Zugängen, ist der Einsatz von Videotechnik sehr hilfreich, die in die Sicherheitszentrale geschaltet werden kann.

Fachpersonal und Zusammenarbeit

Das Gelingen von Events ist vom Zusammenspiel vieler einzelner Komponenten (Planungen, Werbung, Presse, Publikum, Künstler, Wetter, Platzangebot, Essen, Getränke, Preis, störungsfreier Ablauf, Ambiente und Wohlfühlfaktor) abhängig. Im wichtigen Sicherheitssegment sind deswegen alle Bestrebungen darauf gerichtet, mit möglichst wenig Beeinträchtigungen für optimale Bedingungen und ein gutes Sicherheitsgefühl zu sorgen.

Dazu ist professionelles, gut ausgebildetes, hoch motiviertes und gewissenhaft eingewiesenes Fachpersonal nötig. Das sind z.B. geprüfte Schutz- und Sicherheitskräfte. Die Sicherheitsmitarbeiter müssen wissen, dass sie auch als "Aushängeschild" der Firma agieren und ihre Aufmerksamkeit und ihr Verhalten mit entscheidend für eine erfolgreiche und sichere Veranstaltung ist. Auch deshalb sollte das Sicherheitspersonal für die Besucher durch ihre einheitliche Kleidung und Ausrüstung mit Namens- bzw. Firmenschilder leicht erkennbar sein.

Bereits in der Planung ist mit alle benachbarten Kräften Verbindung aufzunehmen, damit die richtige Abstimmung und ggf. nötige Arbeitsteilung oder Zusammenarbeit mit hauseigenem Personal, Behörden und anderen Institutionen (Sanitäter, Rettungsdienste, Feuerwehr, Polizei, Technischer Dienst) reibungslos erfolgen kann. Dazu gehört auch die Absprache über schnelle Kommunikationswege, Notfallmaßnahmen und Zuständigkeiten.

Vor- und Nachaufsicht nicht vergessen

Fachleute wissen, dass neben der eigentlichen Veranstaltung auch die Vor- und Nachaufsicht bedeutsam ist. Anlieferungen, Aufbau, Vorfeldbeobachtungen und der Abbau sind erfahrungsgemäß genau so wichtig und schadensanfällig, wie die eigentliche Veranstaltung. Beim Sicherheitspersonal beginnt es mit der gründlichen Einweisung und der Klärung aller organisatorischen Maßnahmen, Absprachen, Ziele und Führungs- Kommunikationsstrukturen. Jeder wird in seine Aufgaben und Kompetenzen, seinen Einsatzort, die taktischen Handlungsalternativen und die Notfallplanung eingewiesen.

Wichtig ist, dass das Sicherheitspersonal ausreichend früh mit der Voraufsicht beginnt und auch nach der Veranstaltung nicht sofort oder zu schnell den Veranstaltungsort verlässt. Erst wenn der Einsatzleiter es anordnet und Publikum sowie anderes Personal nicht mehr vor Ort sind, können auch die Sicherheitsaufgaben langsam "zurückgebaut" werden.

Professionalität gefordert

Es dürfte deutlich geworden sein, dass Veranstaltungssicherheit mehr ist, als nur ein paar angemietete Ordner aufzustellen und die Eintrittskarten zu kontrollieren. Jedem Veranstalter muss klar sein, dass größere Menschenansammlung in geschlossenen Räumen und auch im Freien umfassende Sicherheitsüberlegungen, Einsatz von Sicherheitstechnik und fachliche Erfahrung umfassen.

Hier ist die gesamte Palette von Fachwissen gefordert, wie z.B. Perimeterschutz, vorbeugender Brandschutz, Arbeits-, Umwelt- und Personenschutz, Handhabung und Einsatz von Schutz-, Sicherungs- und Kommunikationseinrichtungen, aber auch richtiges Verhalten im Umgang mit dem Publikum. Besonders bei Störungen und Konflikten zeigt sich der Wert solcher Fähigkeiten und guter Planungen.

Eventsicherheit erfordert auf der Basis einer gründlichen Sicherheitsanalyse ein ausgewogenes wirtschaftlich vertretbares Sicherheitskonzept, um allen Schutzzielen und Sicherheitsaspekten gerecht zu werden. Bei der Fülle der personellen und technischen Anforderungen ist Professionalität gefordert. Deswegen ist es oft sinnvoll und meist nötig einen qualifizierten Sicherheitsdienstleister mit dem gesamten Veranstaltungsschutz zu beauftragen.

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