Biometrielösungen für Zutrittskontrolle und IT Security

Interview mit Peter Weinzierl, Leiter des Biometrics Center von Siemens in Graz

  • Peter Weinzierl, Leiter des Biometrics Center von Siemens in Graz

Seit seiner Gründung im Jahr 2005 zählt das Siemens Biometrics Center in Graz zu Europas ersten Adressen, wenn es um biometrische Lösungen geht. Das ­Siemens Biometrics Center spielte eine Schlüsselrolle in der Entwicklung der Siemens Fingerprinttechnologie, von den ersten Ansätzen als Forschungsprojekt bis hin zur Marktreife. Systeme zur Gesichtserkennung und die Integration von Handvenen-basierten Identifikationssystemen vervollständigen mittlerweile das Leistungsspektrum. GIT-SICHERHEIT.de sprach mit Peter Weinzierl, ­Leiter des Biometrics über die Entwicklungen auf dem Gebiet der Biometrie.

Welche wirtschaftlich relevanten biomet­rischen Verfahren gibt es derzeit auf dem Markt und wie funktionieren sie?

P. Weinzierl: Zu den wirtschaftlich relevanten biometrischen Verfahren zählen der Fingerabdruck, die Gesichts- und Iris-Erkennung sowie der Handvenenscan. In allen Fällen scannen ­spezielle Sensoren teilweise basierend auf dem Prinzip von digitalen Kameras Finger, Gesicht, Iris oder das unter der Haut liegende Venen­geflecht. Dabei werden die charakteristischen Eigenschaften mittels algorithmischer Verfahren identifiziert und in numerische Werte umgerechnet. Der Venenscanner nutzt zur Erkennung die Infrarottechnologie. Das in den Venen zum Herzen zurückfließende, sauerstoffarme Blut ab­sorbiert die Strahlung und lässt die Venen als schwarzes Muster erscheinen.

Welchen Marktanteil haben die einzelnen Haupttechnologien?

P. Weinzierl: Laut der International Biometrics Group hat die Fingerprinterkennung einen Marktanteil von 45,9 % und ist damit nach wie vor die wichtigste Technologie, gefolgt von der Gesichtserkennung mit 18,5 %. Danach folgen die Handvenenerkennung mit rund 10 % und der Irisscan mit 8,3 %. Diese vier Technologien haben einen Marktanteil von rund 83 %.

Wo werden biometrische Verfahren heute ­bereits eingesetzt?

P. Weinzierl: Biometrie wird heute bereits in den meisten Branchen eingesetzt. Vor allem in Bereichen, wo strenge gesetzliche Auflagen zu erfüllen sind wie in der Pharmaindustrie oder im Gesundheitssektor kann Biometrie dabei unterstützen, Prozesse zu verkürzen.

Statt wiederholt ein Passwort eintippen zu müssen, legt man einfach den Finger auf. Alleine dadurch lässt sich eine enorme Effizienzsteigerung erzielen. Die Beweggründe für den Einsatz sind ganz unterschiedlich. Sei es, um sensible Daten abzusichern, Compliance-Vorschriften einzuhalten oder um mehr Komfort bei Login, Zugangs- oder Passkontrollen zu haben. Entscheidend für den erfolgreichen Einsatz eines biometrischen Systems sind neben der zuverlässigen Funktion die Benutzerfreundlichkeit in der breiten Anwendung sowie nicht zuletzt die Wirtschaftlichkeit. Richtig eingesetzte biometrische Verfahren können wesentlich zur Kosteneinsparung beitragen.

In welchen Einsatzgebieten liegen Ihrer ­Meinung nach Potenziale für Biometrie?

P. Weinzierl: Große Potenziale bieten die Branchen Freizeit, Tourismus und Transport, Gesundheit sowie Finanzen. Darüber hinaus liegt vor allem in zwei Anwendungen Zukunftspotenzial: So wird sich das Biometric Boarding mit zunehmenden Sicherheitsstandards weltweit durchsetzen, ebenso wie das Biometric Ticketing bei Großveranstaltungen oder im Freizeitbereich.

Wie sicher ist Biometrie?

P. Weinzierl: Untrennbar mit dem Thema Biometrie verknüpft ist die Frage nach dem Datenschutz. Die Aufnahme und Speicherung der biometrischen Daten ist dabei ein wichtiger Aspekt. Die biometrischen Daten müssen durch eine starke Verschlüsselung vor unbefugten Zugriff geschützt werden. Außerdem muss gewährleistet sein, dass die Daten nur von zertifizierten Systemen ausgelesen werden oder der gesamte Prozess wie bspw. bei Grenzkontrollen unter Aufsicht stattfindet. Viele Bürger haben zudem Bedenken, dass ihre Daten zentral gespeichert werden und so in unbefugte Hände gelangen können. Diese Ängste sind jedoch vor allem bei biometrischen Ausweisen und Pässen unbegründet. Denn hier sind die persönlichen Daten sowie der Fingerabdruck statt in einem zentralen Archiv nur auf dem Ausweis direkt gespeichert - und den trägt jeder selbst bei sich. Die Daten auf dem Chip werden bei einer Kontrolle lediglich mit dem Abdruck des Besitzers verglichen.

Wie ist die Akzeptanz der Bevölkerung ­gegenüber biometrischen Technologien? Hat sich Ihrer Einschätzung nach die Akzeptanz in den letzten Jahren gewandelt?

P. Weinzierl: Solange es Biometrie gibt, hat es Skeptiker gegeben - seien es Datenschützer, Gewerkschaften oder der Chaos Computer Club. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die mit biometrischen Systemen arbeiten, der Biometrie positiver gegenüber stehen und eher die Vorteile zu schätzen wissen: Komfort, Sicherheit und Schnelligkeit. Auch dürfte die Akzeptanz weiter zunehmen, denn biometrische Verfahren gehören immer mehr zu unserem Alltag. So bekommt man beim DVD-Verleih keinen Film mehr, ohne seinen Daumen aufzulegen. Auch genügt heute ein Augenaufschlag, um Türen zu öffnen.

 

 

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