Management

Per Telefon zum Krisenstab

ABIS, das Alarmierungs-, Benachrichtigungs- und Informationssystem der Stadt Duisburg

28.01.2010 - Duisburg bietet als Industriegroßstadt und Standort eines der größten Binnenschifffahrtshäfen der Welt viele Herausforderungen für die Sicherheit. Zur Alarmierung von Spezialisten ...

Duisburg bietet als Industriegroßstadt und Standort eines der größten Binnenschifffahrtshäfen der Welt viele Herausforderungen für die Sicherheit. Zur Alarmierung von Spezialisten und der Besetzung von Krisenstäben nutzt die Duis­burger Feuerwehr ein telefonisches Alarmierungssystem von TAS ­Telefonbau Arthur Schwabe.

Spätestens in acht Minuten ist die Duisburger Feuerwehr vor Ort - und das nicht nur wenn's brennt. Es kann hier vorkommen, dass z.B. ein Matrose in den Laderaum eines der riesigen Frachter fällt, die aus aller Welt den hiesigen Binnenhafen nutzen, oder dass in einer chemischen Anlage ein Rohr bricht, oder dass ein LKW mit Gefahrstoffen an Bord auf der Straße umstürzt. Denn Duisburg ist eine Stadt der Industrie und der Binnenschifffahrt. Sogar Taucher gehören zur Mannschaft der Feuerwehr. Man braucht sie nicht nur für Rettungseinsätze bei Badeunfällen im Rhein, deren Strömungen und Strudel gelegentlich unterschätzt werden, sondern auch für Unterwassereinsätze am Hafen, wenn es etwa um die Abdichtung eines Schiffslecks geht. Der Hafen, im frühen 18. Jahrhundert gegründet, war bis vor nicht allzu langer Zeit noch der ­größte Binnenhafen weltweit und gehört heute immer noch zu den bedeutendsten seiner Art. Allein 6,2 Millionen Tonnen Kohle und 4,6 Millionen Tonnen Mineralöl und Chemikalien werden hier im Jahr umgeschlagen (Zahlen für 2008, wie von Duisportal, dem Webportal des Duisburger Hafens, veröffentlicht). Auch sonst machen die Wasserstraßen Rhein und Ruhr sowie eine unübersehbares Gewirr von Autobahnen und Autobahnkreuzen die Sicherheit in der Stadt zu einer besonderen Herausforderung.

Herausforderung Industrie und Wasserstraßen


Entsprechend gewaltig sind die Anforderungen an die Berufsfeuerwehr einer solchen Stadt. Seit mehr als 100 Jahren sorgt sie für Sicherheit mit Rettungs-, Lösch- und Bergungseinsätzen. Gute 600 Mitarbeiter arbeiten hier, und etwa noch mal so viele bei der Freiwilligen Feuerwehr. Organisatorisch ist die Duisburger Feuerwehr aufgeteilt in eine Hauptfeuerwache, sechs über das Stadtgebiet verteilte Feuer- und Rettungswachen, eine Hafenwache sowie diverse Gerätehäuser der Freiwilligen Feuerwehr. Man stützt sich auf aktuellste Technik etwa der satelliten- und computergestützten Kommunikation, auf technisch hoch qualifizierte Mitarbeiter und auf modernstes Gerät einschließlich eines Rettungshubschraubers und eines Feuerwehrlöschboots im Hafen. Sondereinheiten verfügen außerdem über einen Bergekran und spezielles Ölbindegerät. Zu den jüngsten Anschaffungen zählt ein - freilich nicht nur im Hafen nützlicher - „Babynotarztwagen" inklusive Inkubator für Frühgeburten. Gesteuert werden die rund 55.000 Einsätze im Jahr über die Leitstelle in der Hauptfeuerwache - das im Schnitt rund 150 Fälle jeden Tag. Hier ist die einheitliche Notrufnummer 112 aufgeschaltet, Einsätze werden nach vorbereiteten Plänen koordiniert, sämtliche erforderlichen Informationen sind hier gesammelt und können von hier aus weitergeleitet werden, z.B. solche aus den angeschlossenen Gefahrstoff-Datenbanken. Die Verbindung zu den Einsatzkräften erfolgt per Funk.

ABIS im Einsatz

Zur Unterstützung der Alarmierung hat die Feuerwehr Duisburg das System „ABIS" installiert. Diese Abkürzung steht für „Alarmierungs-, Benachrichtigungs- und Informationssystem der Stadt Duisburg". Es besteht technisch aus dem Alarmierungsserver „Arutel" von TAS Telefonbau Arthur Schwabe: Dies wiederum steht für „Anruftelefon" und dient der schnellen und sicheren Erreichbarkeit von Mitarbeitern, die man mit dem System effizient benachrichtigen kann. In Duisburg wird es zum einen dafür verwendet, systematisch und effizient Spezialisten zu finden und zu rufen, die gerade nicht im Haus sind - etwa wenn ein besonders ausgebildeter Hundeführer oder Höhenretter gebraucht wird. Die Hauptaufgabe besteht aber darin, in bestimmten größeren Ernstfällen einen Krisenstab zusammenzurufen. Ein solches Szenario unterscheidet sich vom normalen Tagesgeschäft in der Leitstelle und von der erhöhten Alarmstufe unter anderem dadurch, dass sie nicht ohne größere Koordination von Einsatzkräften und nicht ohne komplexe Entscheidungen bewältigt werden können, wie Peter Hagemann von „Feuerwehr und Zivilschutzamt der Stadt Duisburg" erläutert. Beim Unfall in einer Chemiefabrik stellt sich z.B. nicht nur die Frage nach der richtigen Löschmethode. Es muss auch geklärt werden, ob ein Stadtteil eventuell evakuiert werden muss, ob Kinder von der Schule fernbleiben oder im Gegenteil in ihnen verbleiben sollen.

Für solche Entscheidungen braucht man die entsprechende Fachkenntnis und die Präsenz ­bestimmter Spezialisten vor Ort. Der Krisenstab setzt sich unterschiedlich zusammen - je nach dem, ob es sich um das Notfallmanagement für eine Schule, einen großen Brandeinsatz, einen Gasunfall oder um die Entschärfung einer Bombe geht. Müssen Rettungstaucher oder Hundeführer aus ihrer Freizeit geholt werden? Oder braucht man Unterstützung in der Leitstelle wegen des Massenanfalls von Einsätzen?

Effizienz und Tempo bei der Alarmierung

Die potentiellen Mitglieder eines solchen einzuberufenden Krisenstabes sind zu Gruppen zusammengefasst, so dass man im Krisenfall sehr schnell den erforderlichen Personenkreis bestimmen kann. Die Alarmierung selbst hat man vor Einführung des ABIS quasi per Hand, also per Telefon und Handy vorgenommen, mit allen Schwierigkeiten, die damit verbunden sind: Vor allem Zeitverlust ist das Problem - und eben diesen minimiert das Alarmierungssystem von TAS, wie Softwareentwickler Oliver Schuth, von Anfang an zuständig für die Betreuung des Systems, erläutert.

Die Software des Alarmierungsservers ist mit den im Alarmierungsfall erforderlichen Daten gefüttert: Das sind vor allem die nach Funktion und Einsatzbereich definierten Einsatzkräfte inklusive nach Priorität sortierten Telefonnummern und Mailadressen. Je nach Einsatzplan, der nach Bedarf individuell im Einzelfall ergänzt und geändert werden kann, ruft das aktivierte System die betreffenden Rufnummern an, versendet eine Sprachnachricht, eine SMS oder eine Email. Die Überlegenheit dieser Methode gegenüber den Einzelanrufen zeigt sich schon an der schieren Masse von Anrufen, die in sehr kurzer Zeit bewältigt werden kann: Innerhalb von nur drei Minuten ist das Arutel in der Lage, 500 Anschlüsse zu alarmieren. „Die Floskel Zeit ist Geld erhält hiermit eine besondere Dimension: Die Feuerwehr Duisburg kann in verkürzten Zeiträumen reagieren und ist rasch am Einsatzort", ergänzt Volker Schulze Neuhoff, Vertriebsleiter bei TAS.

Das Gerät überzeugt Peter Hagemann und Oliver Schuth auch im Detail: Die Texte für die Alarmierung lassen sich vorformulieren. Das System arbeitet dann blitzschnell nach Priorität gestaffelte Listen von Mitarbeitern ab. Es ruft sie selbsttätig an und setzt die Alarmierungsbotschaft mit einer sehr gut verständlichen Computer-Sprechstimme beim Adressaten ab. Es gibt sich allerdings damit nur dann zufrieden, wenn die Nachricht vom richtigen Adressaten mit dem passenden Code quittiert wurde. So wird ausgeschlossen, dass etwa ein Kind oder ein sonstiger nicht gemeinter Teilnehmer „alarmiert" wird. Auf diese Weise arbeitet sich das System solange durch die Alarmliste, bis eine gegebene Menge an Einsatzkräften erreicht wurde und sich auf dem Weg in die Einsatzzentrale gemacht hat.

Diese Methode ist schnell, einfach und kostensparend, loben Hagemann und Schuth. Beide sind deshalb ausgesprochen zufrieden mit der Entscheidung für die Technik von TAS, die im Rahmen eines intensiven Marktstudiums zustande gekommen war. Für sie hatte man sich vor allem wegen der erprobten Zuverlässigkeit dieses Systems entschieden. Außerdem konnte man es unabhängig vom Hersteller selbstständig im Haus betreiben und bedienen - im Gegensatz etwa zu Modellen bei denen die Technik beim Hersteller installiert ist und jeweils nur dort aktiviert wird. Auch die Sicherheit des Systems war ein Kaufargument: So testet sich der Alarmierungsserver in regelmäßigen Abständen, in dem er sich selbst anruft.

Schließlich spielte auch die gerichtsfeste Dokumentation der Alarme eine Rolle. Das System registriert und speichert lückenlos, wann welcher Alarm an welche Adressaten abgesetzt wurde. So kann in dem durchaus nicht selten an die Feuerwehr gerichteten Vorwurf entgegengetreten werden, man habe nicht rechtzeitig alarmiert, wie Peter Hagemann betont. Sämtliche Erwartungen an das System wurden seit der Installation jederzeit völlig fehlerfrei erfüllt - so ist es als Hilfsinstrument im Krisenfall nicht mehr wegzudenken und ein beachtlicher Beitrag zur Sicherheit der Stadt Duisburg.

Matthias Erler

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