Management

Katastrophenschutz: Die Bedeutung des Hochwasserschutzes

29.11.2011 - Überall Wasser, plötzlich überall Wasser. Der Keller vollgelaufen, die Lager­bestände beschädigt. Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, wie groß die Gefahr von Überschwemmungen und...

Überall Wasser, plötzlich überall Wasser. Der Keller vollgelaufen, die Lager­bestände beschädigt. Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, wie groß
die Gefahr von Überschwemmungen und Hochwasser in ihrer Region ist. ­Betriebsinterne Risikomanager sollten deshalb regelmäßig den Hochwasserschutz auf Herz und Nieren prüfen. Denn ohne Notfallplanung können ­wichtige Anlagen, Maschinen, Werkstoffe oder Lagergüter unwiederbringlich zerstört werden. Die Folge sind neben dem Reparatur- und Reinigungsaufwand vor allem lange Betriebsunterbrechungen, die die Existenz des Unternehmens gefährden können.

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Viele Produktionsstätten und Logistikzentren liegen in der Nähe von Wasserstraßen oder an der Küste, damit Umschlagplätze wie Häfen und Güterbahnhöfe leicht zu erreichen sind. Dass hier die Gefahr von Hochwasser besteht, liegt auf der Hand. Andere Unternehmen besitzen vermeintlich sichere Standorte im Landesinneren. Doch auch diese Regionen können von Überschwemmungen betroffen sein. Allerdings halten es viele Unternehmen beim Thema Hochwasser mit dem bekannten rheinischen Sprichwort: Et hätt no immer jot jejange. „Unabhängig davon, wo das Unternehmen liegt, wird der Gedanke an mögliche Gefährdungen durch Hochwasser leider allzu oft vernachlässigt", warnt Peter Eymael, Group Manager Field Engineering beim Industrieversicherer FM Global.

Wenn der Bach zum reißenden Strom wird
Der Risikoingenieur hilft Versicherungskunden aus der Industrie, die passenden Schutzmaßnahmen gegen Überflutungen zu finden und diese an ihrem Standort umzusetzen. „Nicht nur an großen Flüssen besteht Gefahr", sagt Eymael. „Häufig stauen sich die Wassermassen in die kleineren Zuläufe zurück. Zudem sind gerade in Industrieregionen die Wasserwege oft begradigt. Doch ohne die natürlichen Überflutungsgebiete wie Auen kann der Pegel rasant ansteigen und Städte sowie angrenzende Industriegebiete werden überflutet." Auch können nach starken Regenfällen selbst kleine Bäche oder Flussläufe überraschend schnell zum reißenden Strom anschwellen und ganze Ortschaften zerstören - und das auch in Gebieten, die nicht gerade als Hochwasserregionen bekannt sind. „Bei extremen Regenfällen, wie sie in letzter Zeit immer häufiger auftreten, kann die städtische Kanalisation die Wassermassen nicht mehr vollständig aufnehmen", erklärt Eymael. „Der Abwasserspiegel steigt und drückt in die Anschlusskanäle. Tieferliegende Gebäudebereiche werden dann über die Entwässerungsleitungen geflutet." Die Rückstausicherungen des betriebseigenen Kanalisationssystems sollten deshalb regelmäßig überprüft werden.

Notfallpläne und Schutzmaßnahmen
Nur mit einem umfassenden Notfallplan besteht eine Chance, Schäden und Betriebsunterbrechungen nachhaltig zu reduzieren. Risikomanager im Unternehmen sollten zunächst prüfen, wie und wo ein Hochwasser die Industrieanlagen treffen könnte. Anschließend können eine Notfallorganisation aufgebaut und Mitarbeiter geschult werden, bei drohendem Hochwasser innerhalb kurzer Zeit alle erforderlichen Schutzmaßnahmen vorzunehmen. Zudem gilt es sicherzustellen, dass das Unternehmen über alle notwendigen Ressourcen wie Pumpen, Schotts, Barrieren oder Sandsäcke verfügt. Experten raten dazu, jährliche Überprüfungen vorzunehmen und eine oder mehrere Notfallübungen durchzuführen. Einige Maßnahmen können bereits präventiv umgesetzt werden. „An kritischen Stellen können Schotts und Pumpen installiert werden", empfiehlt Eymael. „Bei fest installierten Anlagen sorgt ein wasserabweisender Rostschutzanstrich für zusätzlichen Schutz. Besonders wichtige Anlagen, wie Transformatoren oder Schaltschränke, können auch grundsätzlich erhöht montiert werden. Wer zudem alle Zulieferer, Abnehmer, Fremdfirmen und Reparaturunternehmen kennt, kann diese im Krisenfall rechtzeitig informieren."

Aufräumarbeiten bedeuten neue Gefahren
Zugleich sollte ein betriebsinterner Bergungstrupp aufgestellt werden. Dieser kann unverzüglich mit seiner Arbeit beginnen, sobald sich das Wasser zurückzieht. „Zunächst sollten der Zustand des Betriebsgeländes und die Schäden an Gebäuden, Geräten und Waren geprüft werden", sagt Eymael. „Bevor aber mit den Aufräumarbeiten in den Gebäuden begonnen wird, ist es wichtig, dass diese unbedingt auf Statik und Sicherheit untersucht werden. Der Auftrieb und Druck des Wassers bedeuten nämlich eine enorme Belastung für die Bausubstanz - das Mauerwerk könnte instabil werden." Um einem Totalschaden des Betriebsgebäudes entgegenzuwirken, kann es notwendig werden, die Untergeschosse mit sauberem Wasser zu fluten, um einen Gegendruck zum von Außen drückenden Wasser zu erzeugen. Das saubere Wasser wird nach der Überschwemmung wieder abgepumpt.

Wo so viel Wasser ist, wird zudem oft nicht an den Brandschutz gedacht. Die Brandschutzanlagen sollten aber nicht nur während des Hochwassers, sondern auch bei den Aufräumarbeiten unbedingt in Betrieb bleiben. Denn es sammeln sich große Mengen brennbarer Materialien an - seien es beschädigte Tanks und Behälter, Holz von zersplitterten Paletten, oder Leitungen, aus denen brennbare Flüssigkeiten oder andere Gefahrstoffe austreten. Diese Gefahrenquellen müssen zunächst beseitigt werden, um Folgeschäden zu verhindern. Danach können nicht abgelaufenes Wasser und Sedimente entfernt sowie betriebswichtige Anlagen professionell getrocknet und entfeuchtet werden.

Es wird dringend angeraten, alle Anlagen einem gründlichen Testlauf zu unterziehen. Dabei sollten sich Unternehmen nicht nur auf Anlagen konzentrieren, die vor dem Hochwasser außer Betrieb genommen wurden und solche, die repariert werden mussten, sondern auch jene Anlagen prüfen, die scheinbar nicht beschädigt wurden - so kann sich beispielsweise Kondensflüssigkeit in elektrischen Geräten gebildet haben und Kurzschlüsse auslösen.
Die Folgen eines Hochwassers sind vielfältig und können den Betrieb für lange Zeit lahmlegen. Mit einem Notfallplan lässt sich jedoch ein Großteil der Schäden abwenden oder zumindest erheblich verringern.

Die Notfall-Checkliste: Wenn Hochwasser droht, den Überblick behalten
Ist Ihr Unternehmen von Hochwasser oder Überflutung bedroht, sollten Sie umgehend folgende Maßnahmen ergreifen:
❶ Behalten Sie die Hochwassersituation im Auge. Halten Sie Kontakt zu den Behörden und verfolgen Sie die Berichterstattung der Medien. Geben Sie neue Entwicklungen schnellstmöglich im Unternehmen weiter.


❷Handeln Sie überlegt und frühzeitig. Viele Schäden sind vermeidbar, wenn Sie rechtzeitig und gezielt Schutzmaßnahmen ergreifen.


❸ Bringen Sie Geräte und Werkstoffe in sichere Gebäudebereiche. Achten Sie nicht nur auf besonders hochwertige Geräte und Materialien, sondern vor allem auf solche, die für die Aufrechterhaltung des Betriebs unerlässlich sind. Denken Sie an spezielle Anlagen, Computer und Speichermedien, Aufzeichnungen, Testanlagen, Formen oder Proben, aber auch LKWs oder Gabelstapler.


❹ Ergreifen Sie Brandschutzmaßnahmen für die Zeit während der Überflutung. Schalten Sie den Strom ab, um Kurzschlüsse an Elektroanlagen zu vermeiden. Sperren Sie die Gaszufuhr für den Fall, dass Lecks in Gasleitungen entstehen.


❺ Errichten Sie Hochwasser-Barrieren, um das Gebäude und neuralgische Punkte wie Sprinklersteigleitungen, Außenschieber und Hydranten vor Treibgut und Fließwasser zu schützen. Platzieren Sie Sandsäcke, wo Wasser ins Gebäude eindringen kann. Vorinstallierbare oder mobile Schotts sind in hochwassergefährdeten Regionen besonders zu empfehlen.


❻Sichern Sie Materialien und Anlagen, die sich im Freien befinden oder nicht in sichere Gebäudebereiche verlegt werden können.


❼Unterbrechen Sie die Versorgung mit brennbaren Flüssigkeiten und anderen Risikostoffen und leeren Sie die Zuleitungen. Treten Gefahrstoffe aus, können sie sich über das stehende Wasser schnell verbreiten. Das erhöht nicht nur die Brandgefahr, sondern bedeutet auch erhebliche Gesundheits- und Umweltrisiken.


❽Kontaktieren Sie Ihren Versicherer. Große Industrieversicherer wie FM Global besitzen speziell geschulte Expertenteams, die Sie beraten und unterstützen.

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FM Global Deutschland

Eschersheimer Landstr. 55
60322 Frankfurt
Deutschland

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