Forschungsprojekt Basigo: Der Weg zur sicheren Veranstaltung

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Wie lässt sich die Sicherheit von Großveranstaltungen verbessern? Dieser Frage geht das Forschungsprojekt „Basigo - Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen" nach. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als Teil des Sicherheitsforschungsprogramms der Bundesregierung. Zu den Projektpartnern zählt u.a. die Berufsfeuerwehr München (siehe Kasten, Folgeseite). Sie will dazu beitragen, dass die Forschungsergebnisse nicht nur auf Megaevents beschränkt bleiben, sondern für die örtlichen Behörde nutzbar sind und auf jede kommunale Großveranstaltung und deren Genehmigung angewendet werden können. Ein Beitrag von Dennis Vosteen, Branddirektion München.

In Abstimmung mit der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in der Bundesrepublik Deutschland (AGBF Bund), ist die Berufsfeuerwehr München als Schwerpunktfeuerwehr an der Erforschung von Großveranstaltungen beteiligt. Die Kerngebiete liegen dabei in den Bereichen Genehmigung von Großveranstaltungen, der Ausbildung sowie der interorganisationalen Zusammenarbeit sowohl im Kontext einer Großstadt, als auch aus Sicht kleiner Kommunen mit weniger als 5.000 Einwohnern, die prägend für den Freistaat Bayern sind.

Im Forschungsprojekt Basigo engagiert sich die Berufsfeuerwehr München zusätzlich zu ihren AGBF-Themen schwerpunktmäßig in den Arbeitspaketen „nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr" und „empirische Grundlagen". Sie ist in 10 der 11 Arbeitspakete vertreten und bringt die Erfahrung aus mehr als 130 Jahren Einsatzdienst und -vorbeugung mit in die wissenschaftliche Betrachtung ein.

Das Anliegen der Münchener Feuerwehr im Projekt ist es, den kommunalen Blickwinkel sowohl aus Sicht einer Großstadt, als auch einer kleinen Kommunen einzunehmen, um die praktische Verwertung der Forschungsergebnisse vor Ort zu erleichtern.

Örtlicher Maßstab

Gemeinsam mit der Berliner Feuerwehr vertritt die Berufsfeuerwehr München die Belange der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr, insbesondere in den Bereichen Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz sowie der Behörden im Genehmigungsverfahren.

Sie setzt sich dafür ein, dass das Ergebnis von BaSiGo nicht nur bei „Megaevents" wie dem Oktoberfest anwendbar ist, sondern jede kommunale Genehmigungsbehörde hiermit arbeiten kann und bundesweit ein einheitliches Angebot für die Bearbeitung von Großveranstaltungen besteht. Ziel ist es, dass bei der Beurteilung der Sicherheit von Großveranstaltungen ein örtlich angepasster, aber dennoch deutschlandweit vergleichbarer Maßstab angewendet wird.

Während der bisherigen zweijährigen Forschungsarbeit wurden in den 11 Arbeitspaketen verschiedene Schwerpunkte der Arbeit gesetzt und erste Zwischenergebnisse gemäß den Teilvorhabenbeschreibungen der Projektpartner erzielt. Zum Teil befinden sich diese noch in der Entstehungs- oder Auswertungsphase. Um einen Einblick in die Projektarbeit zu ermöglichen, sollen hier jedoch Auszüge dargestellt werden.

Interdisziplinäre Veranstaltungsbeobachtung

Die Projektpartner haben gemeinsam die Annakirmes 2013 in Düren untersucht und verschiedene Beobachtungen, Interviews und Experimente vor Ort durchgeführt. Neben weiteren individuellen Veranstaltungsbeobachtungen stand daneben für die Gefahrenabwehr ein Musikfestival in der bayerischen Gemeinde Übersee am Chiemsee im Fokus der Beobachtungen. Die Beobachtungsergebnisse werden zwischenzeitlich weiterhin ausgewertet und teilweise während diesem Jahr in den beobachteten Veranstaltungen umgesetzt.

Für die Branddirektion München stellen die Beobachtungen eine Ergänzung und eigene Überprüfung des durch induktive Herangehensweise empirisch erhobenen Fachwissens der Veranstaltungsbearbeitung in München dar. Daneben konnten durch einen Einblick in die Arbeit der Projektpartner Impulse für Veranstaltungen in München übernommen werden.

Interdisziplinäre Grundlagenschulung

Die Lehrpläne für die Pilotveranstaltungen sind geschrieben und die ersten Pilotseminare durchgeführt worden. Jeweils 25 Teilnehmer nahmen an den ersten beiden Veranstaltungen teil, die im Anschluss umfassend evaluiert werden, um den Ausbildungsbedarf zu erfassen. Die ersten Rückmeldungen lassen jedoch einen großen Wunsch nach und die Notwendigkeit einer gemeinsamen Ausbildung erkennen.

Rechtsgutachten zur Analyse der Gesetzeslage zur Forderung und Umsetzung von Sicherheitskonzepten

Das Gutachten ist durch die Vergabe eines Unterauftrags an einen renommierten Juristen erstellt worden und wird demnächst durch das Arbeitspaket „Recht" veröffentlicht. Die Ergebnisse werden durch die Branddirektion München in die Gremien der AGBF Bund eingebracht.

Experimente zur Fußgängerdynamik

Die weltweit größten Experimente zum menschlichen Verhalten in Massen wurden mit bis zu 1.000 Probanden im letzten Sommer in Düsseldorf durchgeführt. Schwerpunkte bildeten dabei Personenströme und kommunikative Elemente der Personenlenkung. Die gesammelten Daten werden in den kommenden Monaten weiter durch die beteiligten Universitäten ausgewertet.

Festlegung der Struktur der Basigo-Ergebnisse

Die Sicherheitsbausteine werden digital für jeden Anwender von einem internetfähigen Computer zur Verfügung stehen.

Ermittlung des Ausbildungsstandes der Feuerwehr

Im März 2013 wurde hierzu durch die Berufsfeuerwehr München eine Fragebogenaktion bei der AGBF Bayern, den Staatlichen Feuerwehrschulen Bayerns und dem Landesfeuerwehrverband Bayern durchgeführt. Die Kategorien dieser Umfrage waren unterteilt in die „Erfassung der bestehenden nationalen und internationalen Ausbildungsangebote", „wünschenswerte Ausbildungen", die „Einbindung von Simulationen in der Ausbildung" sowie die „Rollenklarheit der Akteure".

Aufbauend auf die Auswertung der Ergebnisse, wurde im Juni 2013 durch die Münchener Feuerwehr der Workshop „veranstaltungsbezogene Ausbildung" durchgeführt, um den Ausbildungsstand und mögliche Verbesserungen für das Projekt zu erfassen. Dabei wurden sowohl Ideen für das Curricula der interdisziplinären Grundlagenschulung, als auch für die spezielle Ausbildung der Feuerwehren und Brandschutzdienststellen gesammelt. Einen weiteren Schwerpunkt bildete der Anforderungskatalog an das elektronische Basigo Handbuch aus Sicht der Feuerwehren.

Symposium für die operative Veranstaltungsebene

Die Berufsfeuerwehr München veranstaltete am 8. Mai auf Grundlage ihrer eigenen Erfahrungen in der Praxis und den durch die Feuerwehren eingebrachten Ideen, ein Symposium für Brandschutzdienststellen, Genehmigungsbehörden, Veranstalter, Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdienst mit dem Ziel, gemeinsame Wege zur Veranstaltungsdurchführung zu benennen und weniger erfahrenen Akteuren Lösungsansätze anzubieten. Mehr als 350 Teilnehmer fanden sich hierzu in der Messe München ein. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf der Internetseite der Berufsfeuerwehr München.

Weiterer Projektverlauf

Der weitere Projektverlauf wird geprägt sein durch die Arbeit an den Sicherheitsbausteinen, die unter Federführung einzelner Projektpartner erstellt und anschließend durch das Konsortium abgestimmt werden. Dieser nicht ganz einfache Prozess wird jedoch die Arbeitsergebnisse durch einen interorganisationalen Abgleich verbessern. Auf dem Konsortialtreffen im April in München konstituierte sich darüber hinaus der Projektbeirat. Dieses Expertengremium soll die Projektpartner darin unterstützen, allgemein anwendbare Arbeitsergebnisse zu erzielen.

Dennis Vosteen, Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Branddirektion München

 

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Landeshauptstadt München
An der Hauptfeuerwache 8
80331 München

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