Ein offener Ansatz zur Standardisierung

Open Security Standard Association erschliesst neue Geschäftsmöglichkeiten auf dem Zutrittskontrollmarkt

In der physischen Sicherheitsbranche haben Eigenentwicklungen seit jeher eine große Tradition. Leider entstehen durch diese Tradition immer mehr Herausforderungen – sei es aufgrund inkompatibler Altsysteme, vergeudeter Investitionen oder großer Schwierigkeiten bei der vorausplanenden Einschätzung zukünftiger Sicherheitsanforderungen. Die Open Security Standard (OSS) Association ist fest davon überzeugt, dass es nur einen Weg gibt, um weiterhin die Einhaltung aller geltenden Vorschriften und Richtlinien, die Skalierbarkeit und längere Plattform-Lebenszyklen zu gewährleisten: die Schaffung offener Branchenstandards.

Deshalb lautet das Hauptziel der Open Security Standards Association, einheitliche Protokolle, Komponenten und Verschlüsselungstechniken für den Zutrittskontrollmarkt und die zugehörigen Hardware- und Softwaresysteme zu entwickeln. So hat sie beispielsweise bei einer ihrer ersten Initiativen den OSS Standard Offline entwickelt, mit dem sich Offline-Schlösser wesentlich einfacher in Zutrittskontrollsysteme integrieren lassen.

Inzwischen gehören bereits zahlreiche führende Hersteller zu den Mitgliedern der OSS, unter anderem Assa Abloy, Nedap, Uhlmann & Zacher, dorma+kaba, xPLAN, primion, ISLOG, CEStronics und UniTecnic, die alle die immensen Vorteile anerkennen, die sich aus den offenen Sicherheitsstandards für die Branche und ihre Kunden ergeben.

Wir haben mit ihnen über ihre Beweggründe, Motivationen und Erwartungen im Zusammenhang mit der OSS und ihrem Standardisierungsansatz gesprochen. Als erstes wollten wir von ihnen wissen, wie sie auf die OSS Association gestoßen sind oder was sie dazu bewegt hat, dort Mitglieder zu werden. Welche Trends auf dem Sicherheitsmarkt – speziell für Zutrittskontrollsysteme – waren dafür ausschlaggebend?

Der Wunsch nach mehr Auswahlfreiheit

OSS-Mitbegründer Nedap geht davon aus, dass der Bedarf bei den drahtlosen Schlössern stark steigen wird, da diese sich sehr einfach und kostengünstig installieren lassen. „Doch je stärker die Unternehmen wachsen, umso komplexer gestaltet sich auch die Verwaltung ihrer drahtlosen Schlösser“, sagt Hans Schipper, Leiter der Marketingabteilung von Nedap Security Management, Hersteller von Zutrittssystemen.

„Und genau an diesem Punkt spielt die Integration der drahtlosen Schlösser in ein Zutrittskontrollsystem eine entscheidende Rolle. Eine Abhängigkeit von einem bestimmten Anbieter ist dabei jedoch für die Kunden nicht mehr akzeptabel. Die Unternehmen wollen sich heute frei für die von ihnen bevorzugten Anbieter entscheiden, ohne sich über die Integration der verschiedenen Produkte und Lösungen Sorgen machen zu müssen.“

Hartmut Beckmann, Leiter der Vertriebs- und der Geschäftsentwicklungsabteilung bei Uhlmann & Zacher, stimmt zu, dass die Kunden sich mehr Flexibilität wünschen. Er sagt: „Elektronische Schlösser gehören derzeit auf dem Zutrittskontrollmarkt zu den stärksten Wachstumstrends. Deshalb sind einheitliche Standards insbesondere für große Kunden sehr wichtig, da sie ihnen deutlich mehr Flexibilität bieten. Auf dem CCTV-Markt wurden solche einheitlichen Standards bereits eingeführt, und ich bin mir sicher, dass der Zutrittskontrollmarkt diesem Beispiel schon sehr bald folgen wird.“

Auch bei Assa Abloy ist man davon überzeugt, dass die Hinwendung zu offenen Standards zu einer ähnlichen Entwicklung wie auf dem CCTV-Markt führen wird, die sich dort jedoch wesentlich schneller vollziehen wird. Matthias Weiss, Aperio®-Produktmanager des Unternehmens für die Region EMEA, sagt dazu: „Wir haben uns dazu entschlossen, die offenen Standards voranzutreiben und ein Gründungsmitglied der OSS Association zu werden, damit die Zutrittskontroll-Softwareanbieter flexiblere Möglichkeiten nutzen können, um die Interoperabilität von Offline-Schlössern zu gewährleisten.“

Den Kunden eine klare Möglichkeit zur freien Entscheidung bieten

ISLOG hat festgestellt, dass die Sicherheit für immer mehr Unternehmen eine immer wichtigere Rolle spielt. Dabei wollen die Kunden aber selbst entscheiden, welche der verfügbaren Optionen am besten zu ihren Anforderungen und Vorstellungen passen und diese nahtlos miteinander kombinieren. Dazu sagt Lionel Moerel, der CEO von ISLOG: „Die Kunden wollen heute keine fertige Sicherheitslösung mehr von der Stange kaufen, sondern lieber selbst alle Tools, Hardwarekomponenten und Kenntnisse erwerben, mit denen sie sich ihre eigenen Systeme frei nach ihren individuellen Wünschen und Vorstellungen zusammenstellen können. Wir haben uns der OSS Association angeschlossen, weil wir davon überzeugt sind, dass die Standardisierung dafür eine entscheidende Grundlage schaffen wird.“

Auch Friedhelm Ulm, Produktmanager bei CEStronics, spürt das wachsende Bedürfnis der Kunden nach mehr Flexibilität und Entscheidungsfreiheit. Er sagt: „Die großen Unternehmen wollen heute bei der Auswahl ihrer Zutrittskontrollsysteme nicht mehr nur an einen Hersteller gebunden sein. Sie wollen die Anbieter auswählen, die ihre Qualitätsanforderungen erfüllen und ihnen gleichzeitig das beste Preis-Leistungsverhältnis bieten.“

xPLAN hat die OSS-Kompatibilität bereits zu einem festen Bestandteil seines rationalisierten Entwicklungsprozesses gemacht. Ray Phillips, der Geschäftsführer des Unternehmens, erklärt: „Als Hersteller von Zutrittskontrollsystemen beobachten wir schon seit Langem, dass immer mehr Anbieter mit selbst entwickelten Offline-Zutrittskontrolllösungen auf den Markt drängen. Die Entwicklung und Unterstützung von verschiedenen Offline-Versionen ist aber nicht nur äußerst kostenintensiv, sondern kann auch unter den Händlern und Endnutzern für eine Menge Verwirrung sorgen. Dank der großartigen Arbeit der OSS Association können wir jetzt darauf bestehen, dass die Schließvorrichtungen dieser Anbieter dem OSS Standard Offline entsprechen.“

Eine Win-Win-Situation für alle

Auf die Frage, wie die Hersteller und Endnutzer davon profitieren, wenn sie die OSS Association unterstützen, lautet die einfache Antwort von Assa Abloy: „Wenn sie den OSS Standard Offline unterstützen, profitieren die Hersteller ebenso stark davon wie ihre Kunden“, sagt Matthias Weiss. „Die Kunden profitieren von einer deutlich größeren Auswahl, und die Hersteller erhalten mit ihren besten Produkten automatisch Zugang zum größtmöglichen Markt.“

Hans Schipper von Nedap fügt hinzu: „Dadurch können die Kunden stets das Produkt auswählen, das ihre aktuellen Anforderungen zum günstigsten Preis erfüllt. Und falls sich ihre Anforderungen ändern, können Sie einfach auf ein anderes Produkt ausweichen, ohne hohe Integrationskosten oder eine fehlende Integrationsbereitschaft ihrer Zulieferer befürchten zu müssen.“

Assa Abloy stimmt zu, dass Flexibilität und Investitionsschutz aus der Sicht des Kunden die stärksten Beweggründe darstellen. Außerdem geht das Unternehmen fest davon aus, dass die Tatsache, dass sich immer mehr führende Hersteller von Zutrittskontrollsystemen der OSS Association anschließen, vom Markt und von den Kunden als positives Signal wahrgenommen wird.

Auch xPLAN und ISLOG erkennen an, dass die Standardisierung zu diversen Vorteilen wie kürzeren Entwicklungszeiten, geringeren Entwicklungskosten und einer höheren Interoperabilität führt. Zusätzlich vertritt xPLAN die Auffassung, dass die Standardisierung der gesamten Branche eine Möglichkeit bietet, den Systemintegratoren und Endnutzern einheitlichere Informationen für die Offline-Zutrittskontrolle bereitzustellen.  

Friedhelm Ulm von CEStronics, stimmt dieser Ansicht zu: „Wir sind davon überzeugt, dass die Vereinheitlichung der Zutrittskontrollsysteme den Produktvergleich für die Kunden vereinfachen und vonseiten der Anbieter zu einer klareren Produktpositionierung führen wird.“ Und Matthias Weiss von Assa Abloy fügt hinzu: „Die Standardisierung wird uns als entscheidende Voraussetzung dabei helfen, Innovationen, die Produktzuverlässigkeit und einen besseren Wettbewerb auf dem Markt voranzutreiben. Außerdem steigern Standards grundsätzlich das Vertrauen der Kunden in die von ihnen genutzten Technologien.“ 

Kartenspezifische Vorteile

Der IT-Sicherheitslösungsanbieter ISLOG geht davon aus, dass nicht nur physische Zutrittskontrollsysteme von der Arbeit und vom offenen Standardisierungsansatz der OSS Association profitieren werden. So hat ISLOG seine Ausweiskarten-Personalisierungssoftware DataWriter bereits mit dem OSS Offline Standard kompatibel gemacht, damit die Kunden die Offline-Funktionen der Software auch auf dem logischen Zutrittskontrollmarkt nutzen können.

Und xPLAN greift einen weiteren praktischen Vorteil im Zusammenhang mit Zugangsberechtigungskarten auf: In ein Offline-System, das auf offenen Standards basiert, lassen sich nämlich nicht nur physische Schließvorrichtungen von verschiedenen Herstellern integrieren, sondern dieses benötigt auch weniger Speicherplatz auf der jeweiligen Ausweiskarte.

Bringt die Standardisierung auch Nachteile mit sich?

Es gibt also zweifellos eine ganze Reihe von Vorteilen, die für eine Standardisierung des Zutrittskontrollmarktes sprechen. Diese reichen – wie Nedap es formulierte – von „einer ultimativen Auswahlfreiheit für die Kunden“, der Vermeidung einer Abhängigkeit von einem bestimmten Anbieter und einer höheren Effizienz bis hin zu kürzeren Markteinführungszeiten für neue Produkte.

Aber hat die Standardisierung eigentlich auch Nachteile?

Hans Schipper von Nedap sagt: „Natürlich kann eine Vereinheitlichung auch dazu führen, dass der Funktionsumfang oder die Einzigartigkeit von bestimmten Lösungen oder Produkten eingeschränkt wird. Dabei dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass Standards immer zugunsten der Endkunden erschaffen werden und stets die Marktbedürfnisse widerspiegeln, die gerade am relevantesten sind. Deshalb sind wir fest davon überzeugt, dass die Standardisierung erheblich mehr Vorteile als Nachteile mit sich bringen wird. Der OSS Offline Standard wird sich kontinuierlich weiterentwickeln, denn alle Mitglieder der OSS Association sind branchenführende Hersteller von kompatiblen Produkten. Ein nützlicher und ausreichender Funktionsumfang wird also zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein.“

primion meint, dass eine Lösung für dieses Problem darin bestehen könnte, indem alle Produkte zwar anfangs den OSS Offline Standard erfüllen, aber auf speziellen Wunsch des Kunden trotzdem durch spezielle Funktionen erweitert werden dürfen, auch wenn diese zunächst nicht standardkonform sind. Diese Funktionen könnten dann nachträglich in den Offline Standard aufgenommen werden, insofern die Mitglieder der OSS Association dies mehrheitlich als sinnvoll erachten.

xPLAN hat bereits eine Reihe von Offline-Kartenmodellen unter Verwendung des OSS Standard Offline implementiert und geht deshalb nicht davon aus, dass der Standard größere Kompromisse erfordern wird. „Im Vergleich zu anderen OEM-Lösungen, die uns zur Verfügung stehen, bietet uns der OSS Standard Offline schon heute eine unübertroffene Flexibilität“, sagt Ray Philips. „Im Vergleich zu anderen Optionen haben wir das Gefühl, dass wir den verfügbaren Kartenspeicherplatz damit effizienter ausnutzen können und die Vergabe der Zutrittsberechtigungen damit feiner abstufen können.“

Eric Beaudru, Vorstandsmitglied bei UniTecnic, stimmt zu: „Dank der großartigen Arbeit, die die führenden Anbieter und Hersteller der Branche bei seiner Entwicklung geleistet haben, ist der OSS Offline Standard in jeder Hinsicht bestens durchdacht.“

Zukünftige Verbesserungen und Abwärtskompatibilität

Obwohl der OSS Offline Standard schon heute effektiv ist, bietet er noch eine Menge Potenzial für die Zukunft. So sprechen Uhlmann & Zacher, Assa Abloy, primion und die anderen Mitglieder der OSS Association bereits begeistert von den vielseitigen Möglichkeiten zur kontinuierlichen Weiterentwicklung des Standards, um sicherzustellen, dass dieser auch künftig allen Anforderungen gerecht wird.

Dem stimmt Matthias Weiss von Assa Abloy zu: „Der neue Offline-Standard basiert auf den gebündelten Erfahrungen, Kompetenzen und Kenntnissen von zahlreichen führenden Zutrittskontrollsystem-Anbietern und bringt derzeit nichts als Vorteile mit sich. Aber wir werden natürlich trotzdem wachsam bleiben. Der Standard wird künftig bei Bedarf erweitert, und dabei werden wir auch stets auf eine entsprechende Abwärtskompatibilität achten.“

www.oss-association.com

 

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