Effektiver Einbruchschutz durch mechanische und mechatronische Schließtechnik

Aufgerüsteter Zaun
Feste Zäune mit Stäben aus (verzinktem) Eisen oder mit Gittern zwischen den Pfosten schrecken nicht jeden Einbrecher ab. Bei erhöhtem Sicherheitsbedarf – etwa bei Personen des öffentlichen Lebens – besteht die Möglichkeit, Zäune elektronisch aufzurüsten. Vibrationssensoren reagieren beispielsweise auf Geräusche die von Sägen oder Bolzenschneidern ausgehen. Ausgeklügelter und unvermeidlich teurer ist die Widerstandsmessung: Sobald ein Stück des Zauns beschädigt wird, ändert sich der elektrische Widerstand und führt zur Alarmauslösung. Der dabei benötigte Strom ist äußerst schwach und unschädlich. In diesem Zusammenhang möchten wir übrigens zwingend davon abraten, Ihren Metallzaun kurzerhand an die Steckdose anzuschließen: Solche Schutzmaßnahmen mögen Ihnen effizient vorkommen – doch beim Elektrozaun kann es nicht nur für den Einbrecher brenzlig werden: Sie überschreiten damit schnell strafbewehrte Grenzen.

Für den Smart-Home-Enthusiasten bietet es sich außerdem an, den sichtbaren Außenzaun mit einem unsichtbaren Pendant kurz dahinter zu ergänzen: Er besteht aus Infrarotlicht, das zwischen den einzelnen Zaunpfosten ausgestrahlt wird. Jede Unterbrechung zwischen Sender und Empfänger wird registriert und ausgewertet. So ein System weiß auch fein zu differenzieren zwischen lungernden Einbrechern und hungrigen Eichhörnchen – nur bei ersteren löst es Alarm aus. Es ist nur mit viel Raffinement zu überwinden, ist also ausgesprochen effektiv. Außerdem lässt sich so eine Anlage in das Home-Security-System einbinden.

Fenstergitter
Vor allem für die Fenster in Erdgeschoss und Souterrain gibt es Gitter, die nicht nur zur reinen Zierde da sind. Sie sollten aber aus Stahl sein – Eisen ist zwar leichter zu verarbeiten, aber auch leichter durchzusägen. Außerdem wichtig: Schrauben und Bolzen sollten nicht von außen zugänglich sein – die Gitter sollten möglichst schon beim Bau des Hauses im Mauerwerk verankert sein. Das geht auch nachträglich – allerdings ist das sehr aufwendig. Das Mauerwerk darf nicht allzu bröckelig sein. Und bei der Montage sind oft einige Zentimeter Dämmung zu beachten, bevor man auf das solide Mauerwerk stößt – hier werden eventuell Distanzhülsen nötig.

Bevor Sie sich verbarrikadieren, sollten Sie sich übrigens auch Gedanken über Flucht- und Rettungswege machen. Einbrecher werden zwar durch Fenstergitter draußen gehalten, aber der Bewohner kann im Zweifel auch nicht raus – bei Brand oder Hochwasser kann das kritisch werden. Ein Gitter, das sich ausschließlich von innen schnell abbauen lässt, könnte hier die Lösung sein.

Die richtige Türverriegelung
Hat man sich selbst ausgesperrt, hilft gerne der Schlüsseldienst – das kostet und geht meist ruckzuck, manchmal kann es auch eine halbe Stunde dauern. Das Schloss ist dabei praktisch immer kaputt und muss ersetzt werden. Ähnliches gilt für die mit Durchsuchungsbeschluss ausgestattete Polizei. Aber was Schlüsseldienst und Polizei können, kann der erfahrene Einbrecher schon lange. Zum Glück findet die Sicherheitsindustrie immer bessere Methoden, Schlösser zu schützen.

Physikalische Sicherung der Tür ist die erste Verteidigungslinie gegen Einbrecher. Sehr viele Wohnungstüren sind heute aber nur mit einem einzigen Schloss abgesichert. Ein kräftiger Stoß von außen kann zu seiner Überwindung genügen. Zusatzschlösser oder im Mauerwerk befestigte Panzerriegel (auch Querriegelschloss genannt) sind ein oft gewähltes Mittel dagegen. Auch hier ist zu beachten, dass die beste Schlossmechanik nur so gut ist, wie die Befestigung. Hersteller wie Abus, Winkhaus, Evva und andere haben daher komplette Lösungen im Programm, die Schloss, Schlüssel und Befestigungen mit Anweisungen zur effektiven Einbau enthalten.

Balkontüren wirken einladend und sind in Diebeskreisen als Einstiegspunkt sehr beliebt. Eine sogenannte Riegelstange oder ein eckiger Schutzriegel kann – richtig angebracht – die ab Werk eingebaute Schlossmechanik unterstützen und die Sicherheit gegen das Aufhebeln deutlich erhöhen.

Neben den Türen sind natürlich auch die Fenster im Visier der Einbrecher. Mit der oft gehörten Bezeichnung „einbruchsicher“ im Zusammenhang mit Dreh- und Kippfenstern steht im Widerspruch, dass der gemeine Einbrecher jedes gekippte Fenster als offenes Fenster betrachtet. Die Mechanik älterer und billigerer Modelle ist schnell auszutricksen – deshalb gilt: Niemals ein Fenster, das vom Boden aus erreicht werden kann, gekippt lassen, wenn Sie nicht zu Hause sind. Moderne Fenstertechnik kann den Einbrecher in seinen Bemühungen bremsen – wir reden hier von wenigen Minuten – und gelten dann als „einbruchshemmend“. Verfügbar sind heute auch Fenstergriffe mit eingebautem batteriebetriebenen Alarm – manche davon interagieren mittlerweile auch mit Smart Home Security-Systemen.

Die Zwei- oder Dreifach-Verglasung moderner Fenster bieten weitere Hindernisse. Trotzdem kann der Einbrecher versuchen, die Scheiben zu durchlöchern, um an den Fenstergriff zu kommen. Hier sollten Sie durch abschließbare Fenstergriffe vorbeugen. Und – kaum zu glauben, aber wahr – mancher verträumte Eigenheimbesitzer legt den Schlüssel für diesen Fenstergriff gleich schön griffbereit aufs Fensterbrett. Das ist natürlich nicht im Sinne des Erfinders...

Für weniger als einmal Tanken bekommen Sie im Fachhandel einfache Fenstersicherungen aus Metallplatten. Diese werden an Fenster und Fensterrahmen geschraubt – dafür muss aber gebohrt werden. Mietern empfiehlt sich hier die Absprache mit dem Vermieter. Im Ergebnis bieten diese Sicherungen einen sehr einfachen und wirkungsvollen Aufhebelschutz, ohne die Bedienbarkeit von innen zu beeinträchtigen.

Mechatronische Maßnahmen
Schon lange gibt es kleine Mikroschalter, die, eingebaut in Tür- und Fenstergriffe, mit der Alarmanlage verkabelt werden und Bewegungen der Schließmechanik melden. Die Tür- und Fenstermechanik wird nun zunehmend intelligent, in dem Elektronik eingebaut wird, die ein Schloss oder einen Griff in die Lage versetzt, zusammen mit einer Hausalarmzentrale zu kommunizieren. Das geht heute per Funk. Der wesentliche Vorteil davon ist, dass keine Drähte mehr zu jedem Fenster und jeder Tür verlegt werden müssen. Außerdem schlagen die Sensoren bereits beim Versuch einzubrechen Alarm, schon lange bevor das Fenster oder die Tür weit offen steht. So gibt es von Abus unter anderem mechatronische Schlösser und Griffe – farblich passend zu Tür- und Fensterrahmen.

Widerstandsklassen
Die EU hat für einheitliche Normen beim Einbruchschutz gesorgt. Auf einer Skala von 1 bis 6 werden nach EN 1627 Türen und Fenster nach dem Widerstand klassifiziert, den sie Gelegenheitsdieben oder eben einem erfahrenen und mit Werkzeug ausgestatteten Einbrecher entgegensetzen. Das ist die sogenannte Resistance Class, kurz RC. In Privatwohnungen sind meistens Türen und Fenster mit RC 1 bis 3 eingebaut. Eine RC3-Sicherung kann einen Gewohnheitstäter mit Brechstange bis zu etwa fünf Minuten aufhalten. Schon mit RC2 ist ein Haus jedoch gut ausgestattet, da Fenster nach dieser Sicherheitsklasse mit Verbundglas oder Einbruchschutzfolie arbeiten, Türen mit entsprechend einbruchshemmender Konstruktion gebaut sind und den Dieb mindestens drei Minuten lang aufhalten.

Das dünnste Brett entscheidet
Eine wichtige Regel beim Anbringen mechanischer Sicherheitsmaßnahmen ist, Schwachstellen nicht isoliert zu betrachten. Hat man die Griffe gesichert, verschiebt sich die schwächste Stelle z.B. auf die Scharniere. Man muss schon jeden einzelnen Schwachpunkt der konkreten Wohnung analysieren. Erst so erkennen Sie, was tatsächlich nötig ist und Sie können die entsprechende Hardware einkaufen.

Mechanische Sicherungen sind auf jeden Fall ein zeitliches Hemmnis für Einbrecher – viele sind schon dadurch abgeschreckt. Im Verein mit den anderen technischen Möglichkeiten, die wir hier vorstellen, können Sie sich insgesamt recht sicher fühlen.


Mechanische Sicherungsmaßnahmen

  • Gehen Sie einfach mal auf die Straße und betrachten Ihr Haus mit den Augen eines Einbrechers. Wo würden Sie einbrechen? 
  • Überprüfen Sie den Widerstand der Mechanik sämtlicher Türen und Fenster in Souterrain, Erdgeschoss und erster Etage: Rahmen, Riegeln, Schlosser, Schließbleche und Scharniere. 
  • Ergreifen Sie Maßnahmen konsequent entsprechend Ihrer Risikoanalyse und lassen sich im Zweifel vom Fachhandel beraten.
  • Achten Sie auf fachgerechte Montage bzw. Austausch der Hardware – das sorgt für ruhigen Schlaf zu Hause und im Urlaub. 

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Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KG
Boschstr. 12
69469 Weinheim
Germany
Telefon: +49 6201 606 0
Smart Home Security


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