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Sichere Antriebssysteme für Anlagenbetreiber

30.05.2012
Oliver Jäger, Expert Functional Safety, Danfoss
Oliver Jäger, Expert Functional Safety, Danfoss Weiter
Oliver Jäger, Expert Functional Safety, Danfoss Hartmut Dorner, Leiter der Abteilung Netzanalyse Danfoss 

Von bewegten Maschinenteilen und Antrieben können stets Gefahren ausgehen. Können - müssen aber nicht. Denn in den Antrieb integrierte Sicherheitsfunktionen dämmen diese Gefahren weitgehend ein. Wieso Anlagenbetreiber dem Thema Sicherheit nicht immer Bedeutung beigemessen haben, wie es heute um deren Sicherheitsbewusstsein bestellt ist und warum Low-Cost-Umrichter eine Überlebenschance haben, erklären Hartmut Dorner und Oliver Jäger von Danfoss im Interview.

Wo sehen Sie Gründe für die zunehmende ­Bedeutung des Themas Maschinensicherheit vor allem in den vergangenen Jahren?

Oliver Jäger: Die Begründung ist in der Historie zu finden. Im Jahr 1996 gab es erstmals die Europäi­sche Maschinenrichtlinie (MRL), die die Bedeutung des GS-Zeichens zurückgenommen hat. Mit dieser MRL waren die Hersteller von Maschinen und Anlagen selbst verpflichtet, sich um alle kritischen Belange ihres Produktes zu kümmern. Allerdings wurde die MRL von den meisten kaum zur Kenntnis genommen. Viele haben ihre Unterschrift unter die Konformitätserklärung gesetzt wie unter ein beliebiges Stück Papier - ohne sich dessen Inhalts bewusst zu sein. Doch mit der Unterschrift bestätigten sie, die für sie zutreffenden Normen einzuhalten. Und insgesamt fanden sich in der Maschinenrichtlinie 900 davon.

Gab es damals keine kontrollierende Instanz, welche die Einhaltung überprüfte?

Oliver Jäger: Nein. Man verlagerte die Verantwortung einfach dahin gehend, dass erst gehandelt werden musste, als es eigentlich schon zu spät war. 2006 wurde die MRL dann überarbeitet veröffentlicht und viel stärker publiziert und in Verkehr gebracht, als es noch vor zehn Jahren der Fall war. Seit 2006 werden Maschinenbauer auf Messen oder Foren auch verstärkt darauf hingewiesen, Gefahrenanalysen zu betreiben. Nur so können sie uns sagen, mit welchen Sicherheitsfunktionen die Anlagen ausgestattet sein müssen, und nur so können wir diese auch liefern. Vielen Unternehmen ist erst zu diesem Zeitpunkt aufgefallen, dass sie die besagten Gefahrenanalysen und Risikobeurteilungen gar nicht durchgeführt haben.

Die Maschinenbauer haben nur langsam damit begonnen. Bei den Analysen wurde dann festgestellt, dass sehr viele bewegte Teile an den Maschinen vorhanden waren, und diese hätten so gar nicht betrieben werden dürfen. Und das hat der gelben Ware - sprich Sicherheitstechnik - Vorschub geleistet.

Wie stufen Sie denn das Sicherheitsbewusstsein heute ein?

Oliver Jäger: Auf Messen und anderen Veranstaltungen wird deutlich, dass das Bewusstsein zugenommen hat. Früher hat man die Maschine erst gebaut und dann geschaut, ob diese sicher ist - heute macht man es umgekehrt.

Hartmut Dorner: Es hat sich auch in den Firmenstrukturen einiges verändert. Früher wurde die Verantwortung vom oberen Management elegant weitergegeben, was heute nicht mehr funktioniert. Das Sicherheitsbewusstsein in der Belegschaft ist heute weit höher als früher, und der Arbeitgeber wird heute mehr in die Pflicht genommen. Zudem hat der Anlagenbetreiber oder Firmeninhaber gemerkt, dass er durch Sicherheitstechnik seine Produktivität steigern kann. Die Personensicherheit zu erhöhen heißt, die Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu erhöhen - und hier verbirgt sich letztlich der stärkere Antrieb.

Hatte es der Sicherheitsgedanke schwer, sich in den Köpfen der Anlagenbetreiber zu verankern?

Hartmut Dorner: Früher überließ man die Bewegungssicherheit dem Mechaniker, und dieser sicherte die Maschine mit einem Zaun oder Mechanik ab. Erst mit der Digitalisierung vor 20 Jahren hat man festgestellt, dass sich mechanische Funktio­nen auch elektronisch umsetzen lassen. Doch das Gebiet der Elektronik war neu, sodass man sich hier sehr vorsichtig bewegte. Aus diesem Grund dauerte es auch 15, 20 Jahre, bis man der Elektronik vertraut hat. Es war ein hartes Stück Arbeit über Jahre hinweg, die Leute zu überzeugen, dass Elektronik so sicher sein kann wie eine mechanische Absicherung. Erst als das geschafft war, hat man den Schütz gegen Elektronik ausgetauscht. Nachdem dieser Schritt vor etwa zehn Jahren vollzogen war, wurden die Normen überarbeitet und in die MRL aufgenommen. Die Akzeptanz der Elektronik für Sicherheitsaufgaben war damit gegeben.

Akzeptiert oder inzwischen auch angenommen?

Oliver Jäger: Die Hürde ist eindeutig genommen. Denn mittlerweile ist dem Anlagenbetreiber auch bewusst, dass die Produktivität der Anlage in starkem Zusammenhang mit den Stillstandzeiten und der Sicherheit steht.

Sicherheitsrelevante Funktionen sollen ­möglichst direkt in den Antrieb integriert ­werden. Was bedeutet diese Entwicklung für Sie als Hersteller?

Hartmut Dorner: Integrierte Sicherheit gab es im Antrieb in Form einer Stopp-Funktion schon immer. Für uns ist es daher die Fortführung der technischen Entwicklung auf einem höheren Level, zum einen vonseiten der Personensicherheit und zum anderen vonseiten der Anlagensicherheit. Der Sicherheitsanspruch hätte also so oder so - verstärkt angetrieben durch die MRL - zugenommen.

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Schlüsselwörter : Anlagen- und Maschinensicherheit Anlagensicherheit Danfoss Frequenz­umrichter Hartmut Dorner und Oliver Jäger Maschinensicherheit Sichere Automatisierung Sicherheitstechnik

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