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Sicherheitsanwendungen für Glas und Kunststoffe

Design und Security

19.05.2010
Foto: Ivan Polushkin/Fotolia.com
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Foto: Ivan Polushkin/Fotolia.com Dipl.-Verw. Heiner Jerofsky, Kriminalrat a.D. 

Moderne Architektur, gutes Design und hohe Sicherheitsanforderungen müssen kein Widerspruch sein. Das beweisen moderne Werkstoffe wie Verbundgläser, Folien, Kunststoffe und glasähnliche Produkte. Die Industrie hat seit Jahren moderne Glasarten, Verbundwerkstoffe und Folien entwickelt, die höchsten Sicherheitsanforderungen gerecht werden und dennoch gestalterische Vielfalt und Ästhetik ermöglichen. GIT-SICHERHEIT.de zeigt, was der Markt bietet und wie man Glas und glasähnliche Materialien für unterschiedliche Sicherheitsanwendungen einsetzen kann.


Vielseitig + transparent
Glas ist extrem vielseitig, ob als optisches Glas, vielfältiges Architekturglas, zum dauerhaften Schutz sensibler Elektronik, in der Solartechnik, für Herde, Kühlgeräte, Spül- und Waschmaschinen, im Bereich Küche und Wohnen, für Hausgeräte, pharmazeutischer Primärpackmittel u. v. a. m. Durch Glas erzeugt man Transparenz, Farbtöne, beeinflusst Akustik, Wärmedämmung, Sonnenschutz und nicht zuletzt die Sicherheit. Die Anwendungsvielfalt zeigt sich auch bei den Materialeigenschaften der sog. Sicherheitsgläser und Kunststoffe, wie Einscheiben-Sicherheitsglas, Verbund-Sicherheitsglas oder geprüfte Sicherheitsfolien.


ESG + Unfallschutz
Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) ist ein Spiegel- oder Spiegelrohglas, welches erhöhte Temperaturwechselbeständigkeit aufweist. Zudem verfügt es über eine erhöhte Schlag- und Stoßfestigkeit sowie über eine erhöhte Biegebruchfestigkeit. Einscheiben-Sicherheitsglas ist thermisch (nach DIN 12150-1) oder chemisch vorgespanntes Glas. Die Vorspannung entsteht in Floatglas durch besonders intensives Kühlen des rot glühenden Glases mittels beidseitig blasender Luftdüsen während des Abkühlens auf Raumtemperatur. Es ist elastischer und deutlich widerstandsfähiger gegen Biegebelastungen. Das Einscheiben-Sicherheitsglas lässt sich so als Konstruktionsbauteil verwenden. Im Falle eines Glasscheibenbruchs löst sich die komplette Glasscheibe in kleine Glasbruchstücke (verletzungshemmende Krümelbildung) auf, welche zum Großteil mehr oder weniger lose zusammenhängen. Aus diesem Grund werden ernsthafte Verletzungen vermindert.


VG + Verletzungsschutz
Verbundglas (VG) nach DIN EN ISO 12543-3 ist ein Flachglas, das aus mindestens zwei Schichten Glas besteht.

Diese Glasscheiben werden fest miteinander verbunden - meist durch speziellen Gießharz oder eine hochreißfeste, zähelastische, thermoplastische Verbundfolie aus PVB (Polyvinylbutyral). Haupt-Anwendungsgebiete sind Frontscheiben von Flugzeugen, Schienen- und Straßenfahrzeugen sowie im Baubereich als Überkopfverglasung oder absturzsichernde Verglasung. Die bei den meisten Anwendungen im Bau- und Fahrzeugbereich zum Einsatz kommende Verbundfolie besteht aus Polyvinylbutyral (PVB). Andere gebräuchliche Zwischenschichtmaterialien sind Ethylenvinylacetat (EVA), Polyarcylat (PA), Polymethylmethacrylat (PMMA), Polyurethan (PUR) etc. Diese Materialen erhöhen durch ihre besonderen Eigenschaften den Verletzungsschutz erheblich.


VSG + kombinierte Vorteile
Verbund-Sicherheitsglas (VSG) nach DIN EN ISO 12543-2 ist ein Flachglas, das aus mehreren Schichten Glas (Floatglas, Einscheibensicherheitsglas, teilvorgespanntes Glas oder Kombinationen daraus) und Kunststofffolien, z. B. aus PVB (Polyvinylbutyral), EVA (Ethylenvinylacetat), oder PA (Polyacrylat), hergestellt wird. Es können auch transparente Kunststoffscheiben eingesetzt werden, ebenso kommen auch andere Zwischenschichten wie bspw. Gießharze zum Einsatz. VSG gibt es je nach Anforderung in unterschiedlichen Kombinationen mit Floatglas, Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG, das ist thermisch vorgespanntes Glas), teilvorgespanntem Glas und chemisch gehärtetem Glas, die die Vorteile der unterschiedlichen Glasarten miteinander kombinieren. Variiert werden Scheibenzahl, Scheibendicke und Folienstärke - je nach Anforderungen an das Material. In der Architektur ist Verbund-Sicherheitsglas bei Überkopfverglasungen, Glasdächern, Brüstungsverglasung (absturzsicheren Verglasung) und begehbarem Glas vorgeschrieben. Hier erhält VSG seine hohe Sicherheit im Allgemeinen durch die reißfeste PVB-Schicht und deren Haftwirkung: Bei einer mechanischen Überlastung (z. B. Schlag oder Stoß) bricht das Glas zwar, aber die Bruchstücke haften an der PVB-Folie. Dadurch besteht eine Resttragfähigkeit, die Splitterbindung verringert gleichzeitig die Verletzungsgefahr.


Widerstandsklassen +Angriffshemmungen
Glas, Verbund-Sicherheitsglas, Folien oder Polycarbonat-Kunststoffe werden nach DIN EN 356, 1063 und 13541 in unterschiedlichen Widerstandsklassen eingeteilt:

  • P2A-P5A= durchwurfhemmende Verglasung (bisher A1-3) (DIN EN 356)
  • P6B-P8B= durchbruchhemmende Verglasung (bisher B1-3) (DIN EN 356)
  • BR2-BR7/SG1-2= durchschusshemmende Verglasung (bisher C1-5) (DIN EN 1063)
  • ER1-ER4= sprengwirkungshemmende Verglasung (bisher D1-3) (DIN EN 13541)

Die Anforderungen an Verglasungen nach DIN 52290 (ersetzt durch DIN EN 356) entsprechen nur in Teilen der VdS-Zertifizierung 2163 (EH 1-EH 3, Näheres dazu unter www.vds.de). Das bedeutet für die Anwender, dass Glas und glasähnliche Materialien genau definierte Angriffssituationen bestehen müssen. Diese Eigenschaften werden beim VSG durch spezielle Herstellungsverfahren erreicht. Die Scheiben und Folien werden im Reinraum aufeinandergelegt. Anschließend werden sie unter Druck (z. B. durch Vakuumsack oder Walzen) und hoher Temperatur zum Vorverbund zusammengefügt. Im Autoklaven werden Glas und Folie unter Hitze mit hohem Druck zu einer unlösbaren Einheit verschmolzen. Die eingearbeiteten Folien sind im Regelfall nach dem Verbinden durchsichtig. Mit mattweißen, farbigen oder bedruckten Folien lassen sich besondere Effekte erzielen. Ebenso können Funktionen wie Heizung und Sonnenschutz in die Folien integriert werden. Dies können sowohl Folien sein, die den Verbund herstellen, als auch Folien mit ausschließlich optischer oder technischer Funktion, die durch zusätzliche Folien mit dem Glas verbunden werden.

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