Sie sind hier: StartseiteThemen-ÜbersichtArchiv › Sicherheit im Handel: Sicherungs- und Präventionsmaßnahmen

Sicherheit im Handel: Sicherungs- und Präventionsmaßnahmen

Maßnahmen und Methoden gegen Schwund im Groß- und Einzelhandel

10.02.2011
Foto: Steve Lovegrove / Fotolia.com
Foto: Steve Lovegrove / Fotolia.com Weiter
Foto: Steve Lovegrove / Fotolia.com Heiner Jerofsky, Kriminalrat a.D. 

Zur Reduzierung von Schwund im Groß- und Einzelhandel, wie Diebstahl, Unterschlagung und Betrug, aber auch zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden ist es erforderlich, alle Risiken und Schwachstellen zu kennen und mit geeigneten Konzepten und Maßnahmen das nötige Sicherheitsklima zu schaffen. Durch sinnvolle Minimierung von Sicherheitsrisiken und gezielter Prävention können der Ertrag und das Einkaufsklima erheblich verbessert werden.

Ladendiebstahl
In Deutschland ist rund jede zehnte bekannt gewordene Straftat ein Ladendiebstahl, rund jeder vierte bekannt gewordene Tatverdächtige ein Ladendieb. Ladendiebe gibt es in allen Bevölkerungsschichten. Bevorzugtes Diebesgut sind Waren des gehobenen Lebensbedarfs, Luxusgüter, aber auch Elektronikartikel und Kleidung. Notdiebstahl ist selten, fast jeder Ladendieb hat genug Geld zum Bezahlen des gestohlenen Gutes - meist hat er es sogar bei sich. Das Dunkelfeld beim Ladendiebstahl wird auf über 90 % geschätzt - auf jeden erkannten Ladendieb kommen mindestens zehn unerkannte Diebe. Inventurdifferenzen lassen sich nicht allein auf Ladendiebstahl zurückführen; fast die Hälfte der Differenzen machen Personaldiebstahl, Lieferantendiebstahl, Irrtum, Bruch und Verderb aus.

Ladendiebe nutzen günstige Gelegenheiten, verbunden mit der Vermutung, unbeobachtet zu sein. Alle Altersgruppen sind vertreten: Kinder und Jugendliche stehlen, weil sie sich vor Freunden behaupten wollen, also Mutproben, zum Taschengeld-Aufbessern und als Nervenkitzel. Aber auch erwachsene Kunden langen im Kaufhaus kräftig zu, und die Altersgrenze ist unbegrenzt. Es stehlen nicht nur sozial Schwache, sondern auch die Besserverdienenden. Tatzeitspitzen liegen in den Zeiten, zu denen die meisten Kunden im Haus sind. Oft kommt den Ladendieben die Unübersichtlichkeit und das Fehlen von Überwachungseinrichtungen zugute. Dabei verraten sie sich häufig durch ihr unübliches Verhalten - sie konzentrieren sich auf das Umfeld und nicht auf die Ware. Ein anderes Verhalten ist bei gewohnheitsmäßig vorgehenden Ladendieben zu finden. Sie gehen oft gemeinschaftlich vor und lenken das Personal zielgerichtet ab. Die materiellen Schäden für den Einzelhandel sind gewaltig, sie werden auf 2,63 Mrd. € geschätzt.

Nach den Feststellungen der Polizei werden Diebe immer dreister und arbeiten oft mit Tricks. Sie scheuen sich auch nicht vor Drohungen und Gewaltanwendungen. Dabei treten bei den Opfern neben möglichen physischen Schäden oftmals auch gravierende psychische Beeinträchtigungen auf, die nicht selten zu einer Traumatisierung führen. Diese Folgen sind für die Opfer von räuberischem Diebstahl oder Raub oftmals nur mit professioneller Hilfe zu verarbeiten.

Diebstahlsbarometer
Für manche ist Klauen ein Kavaliersdelikt, für den Einzelhandel ein Renditekiller. Knapp 5 Mrd. € zahlte der deutsche Einzelhandel von Juli 2009 bis Juni 2010 für Warenschwund. Gemessen am Umsatz sind die Verluste von 1,17 % in 2009 auf 1,12 % zurückgegangen (- 4,3 %). Weltweit kostete Warenschwund den Einzelhandel 87,506 Mrd. € (- 5,6 %), so das 4. Globale Diebstahlbarometer, eine jährliche Studie des Centre for Retail Research (Nottingham) mit Unterstützung von Warensicherungsspezialist Checkpoint Systems (Heppenheim). Nach dem krisenbedingten Rekordniveau des vergangenen Jahres hat sich die Situation in 2010 wieder leicht erholt. Zurückzuführen ist dies vor allem auf die erhöhten Investitionen des Einzelhandels in Sicherungs- und Präventionsmaßnahmen. Weltweit wurden 21,859 Mrd. € (+ 9,7 %) in Anti-Diebstahl-Maßnahmen investiert. In Deutschland waren es rund 1,25 Mrd. €, was 0,28 % des Umsatzes entspricht (+ 7,6 %). Entwarnung kann jedoch nicht gegeben werden: „Auch trotz des Rückgangs der Einzelhandelskriminalität hatte in den 42 untersuchten Ländern jede Familie durchschnittlich 152 € zusätzlich auf ihrem Kassenzettel", so Prof. Joshua Bamfield, Direktor des Centre for Retail Research und Studienautor. In Deutschland „zahlte" jeder Haushalt 149 € für Einzelhandelskriminalität. Mehr als 27 % der deutschen Händler gaben zudem an, dass der Ladendiebstahl bei ihnen zugenommen habe. In Deutschland gehen 52,7 % der Kosten (2,63 Mrd. €) auf das Konto von Kunden. Im europäischen Vergleich wird nur in Österreich (56,8 %) ein noch größerer Anteil Ladendieben zugeschrieben, der europäische Schnitt liegt bei 47,8 %. Für 26,1 % (1,3 Mrd. €) der bundesweiten Verluste werden unehrliche Mitarbeiter verantwortlich gemacht, gefolgt von internen Fehlern (15,8 %; 0,79 Mrd. €) und Lieferanten (5,4  %; 0,27 Mrd. €).

Klaurenner
Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) ist der einfache Diebstahl in/aus Warenhäusern, Verkaufsräumen und Selbstbedienungsläden im vergangenen Jahr in Deutschland um 1,0 % auf 417.441 Fälle zurückgegangen. Die PKS kann jedoch nicht Kriminalitätswirklichkeit abbilden, eher das Anzeigeverhalten. Sie kann auch nichts aussagen über Art des Diebesgutes oder über Methoden der Diebe. Diese wichtigen Informationen liefert die wissenschaftliche Studie des Centre for Retail Research. Sie besagt z. B., dass kleine und teurere Markenartikel die Renner bleiben, weil sie leicht zu stehlen und gut weiterzuverkaufen sind. Bei Mode- und Bekleidungsartikeln haben es Diebe vor allem auf Accessoires (4,02 %) und Kinderbekleidung (2,76 %) abgesehen, besagt die Studie weiter. Unter den Gesundheits- und Schönheitsprodukten liegen Rasierartikel (3,66 %) und Parfüms (2,74 %) vorne, bei Lebensmitteln sind es Fleischfeinkost (3,1 %) und Käse (3,06 %).

Verwandte Artikel :

Schlüsselwörter : Anti-Diebstahl-Maßnahmen Diebstahl Einbruchmeldeanlagen elektronische Warensicherung Notruf- und Serviceleitstelle Sicherheit im Handel Sicherheitslösungen Videoüberwachung Zutrittskontrolle

RSS Newsletter

Download GIT Messe App:

Abstimmen für Kategorie A bis 1.10.14

Vorschau auf nächste gedruckte GIT SICHERHEIT:    ...und GIT SICHERHEIT auf Ihrem Tablet-PC: Hier geht´s zum Archiv aller e-Versionen

Der GIT Kamera-Test im SeeTec-Labor:   

GIT-SICHERHEIT.de auf Facebook:

Jerofskys Sicherheitsforum - Der Blog