Überall Wasser, plötzlich überall Wasser. Der Keller vollgelaufen, die Lagerbestände beschädigt. Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, wie groß
die Gefahr von Überschwemmungen und Hochwasser in ihrer Region ist. Betriebsinterne Risikomanager sollten deshalb regelmäßig den Hochwasserschutz auf Herz und Nieren prüfen. Denn ohne Notfallplanung können wichtige Anlagen, Maschinen, Werkstoffe oder Lagergüter unwiederbringlich zerstört werden. Die Folge sind neben dem Reparatur- und Reinigungsaufwand vor allem lange Betriebsunterbrechungen, die die Existenz des Unternehmens gefährden können.
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Viele Produktionsstätten und Logistikzentren liegen in der Nähe von Wasserstraßen oder an der Küste, damit Umschlagplätze wie Häfen und Güterbahnhöfe leicht zu erreichen sind. Dass hier die Gefahr von Hochwasser besteht, liegt auf der Hand. Andere Unternehmen besitzen vermeintlich sichere Standorte im Landesinneren. Doch auch diese Regionen können von Überschwemmungen betroffen sein. Allerdings halten es viele Unternehmen beim Thema Hochwasser mit dem bekannten rheinischen Sprichwort: Et hätt no immer jot jejange. „Unabhängig davon, wo das Unternehmen liegt, wird der Gedanke an mögliche Gefährdungen durch Hochwasser leider allzu oft vernachlässigt", warnt Peter Eymael, Group Manager Field Engineering beim Industrieversicherer FM Global.
Wenn der Bach zum reißenden Strom wird
Der Risikoingenieur hilft Versicherungskunden aus der Industrie, die passenden Schutzmaßnahmen gegen Überflutungen zu finden und diese an ihrem Standort umzusetzen. „Nicht nur an großen Flüssen besteht Gefahr", sagt Eymael. „Häufig stauen sich die Wassermassen in die kleineren Zuläufe zurück. Zudem sind gerade in Industrieregionen die Wasserwege oft begradigt. Doch ohne die natürlichen Überflutungsgebiete wie Auen kann der Pegel rasant ansteigen und Städte sowie angrenzende Industriegebiete werden überflutet." Auch können nach starken Regenfällen selbst kleine Bäche oder Flussläufe überraschend schnell zum reißenden Strom anschwellen und ganze Ortschaften zerstören - und das auch in Gebieten, die nicht gerade als Hochwasserregionen bekannt sind.
„Bei extremen Regenfällen, wie sie in letzter Zeit immer häufiger auftreten, kann die städtische Kanalisation die Wassermassen nicht mehr vollständig aufnehmen", erklärt Eymael. „Der Abwasserspiegel steigt und drückt in die Anschlusskanäle. Tieferliegende Gebäudebereiche werden dann über die Entwässerungsleitungen geflutet." Die Rückstausicherungen des betriebseigenen Kanalisationssystems sollten deshalb regelmäßig überprüft werden.
Notfallpläne und Schutzmaßnahmen
Nur mit einem umfassenden Notfallplan besteht eine Chance, Schäden und Betriebsunterbrechungen nachhaltig zu reduzieren. Risikomanager im Unternehmen sollten zunächst prüfen, wie und wo ein Hochwasser die Industrieanlagen treffen könnte. Anschließend können eine Notfallorganisation aufgebaut und Mitarbeiter geschult werden, bei drohendem Hochwasser innerhalb kurzer Zeit alle erforderlichen Schutzmaßnahmen vorzunehmen. Zudem gilt es sicherzustellen, dass das Unternehmen über alle notwendigen Ressourcen wie Pumpen, Schotts, Barrieren oder Sandsäcke verfügt. Experten raten dazu, jährliche Überprüfungen vorzunehmen und eine oder mehrere Notfallübungen durchzuführen. Einige Maßnahmen können bereits präventiv umgesetzt werden. „An kritischen Stellen können Schotts und Pumpen installiert werden", empfiehlt Eymael. „Bei fest installierten Anlagen sorgt ein wasserabweisender Rostschutzanstrich für zusätzlichen Schutz. Besonders wichtige Anlagen, wie Transformatoren oder Schaltschränke, können auch grundsätzlich erhöht montiert werden. Wer zudem alle Zulieferer, Abnehmer, Fremdfirmen und Reparaturunternehmen kennt, kann diese im Krisenfall rechtzeitig informieren."
Aufräumarbeiten bedeuten neue Gefahren
Zugleich sollte ein betriebsinterner Bergungstrupp aufgestellt werden. Dieser kann unverzüglich mit seiner Arbeit beginnen, sobald sich das Wasser zurückzieht. „Zunächst sollten der Zustand des Betriebsgeländes und die Schäden an Gebäuden, Geräten und Waren geprüft werden", sagt Eymael. „Bevor aber mit den Aufräumarbeiten in den Gebäuden begonnen wird, ist es wichtig, dass diese unbedingt auf Statik und Sicherheit untersucht werden. Der Auftrieb und Druck des Wassers bedeuten nämlich eine enorme Belastung für die Bausubstanz - das Mauerwerk könnte instabil werden." Um einem Totalschaden des Betriebsgebäudes entgegenzuwirken, kann es notwendig werden, die Untergeschosse mit sauberem Wasser zu fluten, um einen Gegendruck zum von Außen drückenden Wasser zu erzeugen. Das saubere Wasser wird nach der Überschwemmung wieder abgepumpt.
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