Interview mit Roland Y. Billeter, President ADT Continental Europe

  • Roland Y. Billeter, ­President ADT Continental EuropeRoland Y. Billeter, ­President ADT Continental Europe

Zunehmende Vernetzung, ­Konvergenz und Ressourcen­schonung zählen zu den großen ­Themen der Sicherheitsindustrie.

GIT-SICHERHEIT.de sprach mit Roland Y. Billeter, President ADT ­Continental Europe, über ­Veränderungen, neue Herausforderungen und Chancen ­einer sich wandelnden Branche.

Herr Billeter, Digitalisierung, Vernetzung und Nachhaltigkeit sind heute auch im Sicherheitsmarkt wichtige Aspekte. Wo sehen Sie aus Sicht Ihres Unternehmens die größten Herausforderungen des Marktes, wo die wesentlichen technischen Treiber?

Roland Y. Billeter: Sicherheit ist und bleibt unverzichtbar für das Zusammenleben von Menschen und für unseren gesamten wirtschaftlichen Wohlstand. In unserer globalisierten und immer stärker vernetzten Welt ändern sich jedoch die Risiken, etwa durch Migration, Terrorismus, Ressourcenknappheit oder Kriminalität, und somit auch das Umfeld. Daher ist eine der größten Herausforderungen der Sicherheitsindustrie der ganzheitliche Schutz des privaten und öffentlichen Raums sowie die Erhaltung funktionierender, ausfallsicherer Versorgungs- und Dienstleistungsein­richtungen.

So spie­len Faktoren wie Nachhaltigkeit, Flexibilität durch Skalierbarkeit und Effizienzgewinn eine immer wichtiger werdende Rolle für unsere Produkt- und Lösungsentwicklung. Jedoch ist ein breites Lösungsportfolio allein keine Erfolgsgarantie. Vielmehr geht es darum, durch sinnvoll vernetzte Lösungskomponenten einen Mehrwert zu schaffen, der dem Anwender dauerhaft nützt. Hierbei gewinnt die IT eine immer stärkere Bedeutung als Innovationstreiber der Sicherheitsbranche.

Wie hat sich Ihr Wettbewerbsumfeld im Vergleich zu früheren Zeiten verändert?

Roland Y. Billeter: Indem wir uns auch im Sicherheitsmarkt konsequent in Richtung IP-basierte, also vernetzte Lösungen, bewegen, verschmelzen die Grenzen zur klassischen IT-Branche. Sicherheit wird immer mehr zu einem „Value Added Service" innerhalb der IT/TK-Kommunikation. Sicherheitsanbieter wie ADT, die auch gleichzeitig Errichter sind, müssen mittlerweile auch IT-Experten sein. Immer komplexere integrierte Anlagen erfordern unter anderem IT-Fachkompetenz, um ganzheitlich implementiert und später gewartet und betreut zu werden.

In dem Zusammenhang entwickeln sich Service und Dienstleistungen zu einem wichtigen zusätzlichen Kernbereich. Sicherheitsanbieter werden nicht selten zu Facility-Managern.

Wie sehen Sie in diesem veränderten Umfeld Ihre Positionierung als globaler Anbieter von Sicherheitssystemen und Dienstleistungen?

Roland Y. Billeter: Durch die zunehmende Vernetzung offerieren Sicherheitssysteme ein großes Potenzial. Wir bieten schon heute im Konzernverbund über unsere drei Brands ADT, Total Walther und CKS Systeme für alle Bereiche und vertikalen Märkte intelligente ganzheitliche Lösungen, die weit über die Sicherheit hinausgehen und hierdurch entscheidend zu mehr Effizienz, Mobilität und Lebenskomfort beitragen. Paradebeispiel ist hier der Handel. Retail-Spezialisten von ADT Sensormatic bieten technologisch ausgereifte Sicherheitsanwendungen, die im wirksamen Verbund nicht nur sämtliche Stufen der Wertschöpfungskette lückenlos und verlässlich sichern. Darüber hinaus werden im Sinne der Business Intelligence operative Prozesse merkbar optimiert. Einmal erfasste, digitalisierte Daten von Videoaufnahmen zum Beispiel können für wichtige angrenzende Bereiche wie Vertrieb und Marketing genutzt werden. Damit generieren diese Systeme einen wertvollen Informationsgewinn für unsere Kunden.

Können Sie weitere Beispiele nennen?

Roland Y. Billeter: Nehmen wir zunächst das private Umfeld. Hier entwickeln wir neue Konzepte wie „Full Home Security", die es erlauben, unsere Einbruchmelde-, Brandschutzanlagen oder Videoüberwachung für das private Heim per Handy aus der Ferne und von jedem Ort der Welt aus zu kontrollieren und zu steuern. Im öffentlichen Sektor überwachen integrierte Sicherheitssysteme von ADT Bahnhöfe, Häfen oder Verwaltungen; global vernetzte Zutrittskontroll- und Video-Anlagen sichern Finanzinstitute.

Für die zentrale Wohn- und Trafoplattform des ersten kommerziellen Windparks in der deutschen Nordsee, „Bard Offshore 1", entwickelte Total Walther ein ganzheitliches Schutzkonzept von der Konzeption, Planung, über Genehmigungsverfahren bis zur Technik-Implementierung einschließlich weiterführendem Service. So leisten wir einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Energieversorgung aus Windkraft. Skalierbare Leitstellensoftware der CKS Systeme unterstützt das Rettungswesen im öffentlichen sowie im industriellen Bereich. Individuell angepasste Kommunikations- und Sicherheitssysteme helfen, den Lebensraum älterer Menschen in Pflegeeinrichtungen oder auch zu Hause sicherer und einfacher zu gestalten. Die Entwicklung übergreifender Lösungen ist bereits weit fortgeschritten. Hier arbeiten wir übrigens auch intensiv mit Forschungseinrichtungen zusammen.

Herr Billeter, Tyco ist in mehr als 60 Ländern, die zu Ihrem Konzern gehörende ADT Gruppe ist in 38 Ländern der Erde vertreten. Wie kann bei so vielen verschiedenen Menschen und Kulturen so etwas wie eine gemeinsame Identität entstehen?

Roland Y. Billeter: Zunächst ist zu sagen, dass hinter jeder Lösung Menschen stehen, die auf der ganzen Welt ihr Wissen, ihr Engagement und ihre Kompetenz für unsere Kunden einsetzen. Für einen global agierenden Konzern wie Tyco mit weltweit über 110.000 Mitarbeitern zählen daher Diversity & Inclusion, die Vielfalt und das Einbeziehen der Mitarbeiter in Entscheidungen, zu den wichtigen strategischen Faktoren für den unternehmerischen Erfolg. Diversity ist bei uns Trumpf, übrigens auch im Kampf um Talente. Unsere Teams bestehen aus Mitarbeitern mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen, Ansichten und kulturellen Hintergründen, was wir als eine enorme Bereicherung und Stärke empfinden. Jeder sollte heute „global minded" sein. Vor dem Hintergrund respektieren wir jeden Mitarbeiter, dessen Persönlichkeit, Kultur und Land, und setzen seine beruflichen Qualifikationen und Fachkenntnisse gezielt ein. Die universelle Richtschnur für integeres und ethisches Verhalten haben wir in der Tyco-Richtlinie für ethisches Verhalten festgehalten. Diese sind Integrität, Exzellenz, Teamwork, Kundenservice, Verantwortlichkeit für unsere Handlungen und deren Folgen. Indem wir versuchen, diese Werte täglich zu leben und handfest umzusetzen, schaffen wir die zentrale Grundlage für unseren internationalen Erfolg.

Herr Billeter, besten Dank für das Gespräch.

 


Roland Y. Billeter (48), ­President ADT Continental Europe
ADT ist ein Tochterunternehmen des weltweit agierenden Sicherheitskonzerns Tyco International Ltd. Bevor Roland Y. Billeter zu ADT kam, arbeitete der gebürtige Schweizer unter anderem als General Manager (EMEA) für die Proficiency Group, einer der Marktführer für Lösungen im Bereich der Produktdaten-Interoperabilität in der Automobil- und Luftfahrtindustrie sowie im europäischen Managementteam von MatrixOne. Davor zeichnete Billeter als leitende Führungskraft bei Siemens für die Bereiche Information & Communications und Business Services verantwortlich.


 

 

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