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Gregor Lehnert ist neben seinen wichtigen Ämtern im BDSW (vorm. BDWS, jetzt neu für Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft e. V.) und ASW (Zentralorganisation der deutschen Wirtschaft in Sicherheitsfragen) geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Lehnert. Heiner Jerofsky befragte Gregor Lehnert zum Stand der Dinge, zu Entwicklungen und Trends in der Branche.
Herr Lehnert Sie haben eine steile und erfolgreiche Karriere bei der Polizei bis zum Präsident des Landeskriminalamtes Saarland und in der Politik bis zum Staatssekretär im Thüringer Innenministerium hinter sich. Was hat Sie danach veranlasst, in die Privatwirtschaft und speziell ins Sicherheitsgewerbe zu wechseln?
Gregor Lehnert: Nach dem Regierungswechsel in Thüringen endete auch meine Tätigkeit im Innenministerium. Für einen Staatssekretär a. D. werden die Möglichkeiten einer adäquaten Anschlussverwendung schon weniger. Es hat zwar interessante Anfragen aus dem staatlichen Bereich gegeben, diese habe ich jedoch nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Als gebürtiger und überzeugter Saarländer wollte ich einen weiteren Wohnortwechsel meiner Familie nicht zumuten. Zum damaligen Zeitpunkt war ich fast 30 Jahre mit Sicherheitsthemen beschäftigt.
Daraus ist dann auch die Idee entstanden, als Sicherheitsberater in die private Wirtschaft zu wechseln. Ich habe deshalb im Jahr 2000 die Lehnert Consulting GmbH gegründet. Einer meiner ersten Großkunden, den ich noch heute habe, kritisierte die übliche Praxis, die eine Trennung von Sicherheitskonzepten und Umsetzung durch einen Sicherheitsdienstleister vorsieht. Er empfahl mir, ein eigenes Sicherheitsunternehmen zu gründen, damit das, was ich als Berater vorschlage, auch entsprechend umgesetzt wird. Durch die bereits bestehenden Kontakte zum Peter Neuhardt, dem früheren Geschäftsführer von WUI Werk- und Industrieschutz GmbH in Sulzbach im Saarland, konnte ich diese Idee auch schnell realisieren.
Sie bezeichnen Ihre Unternehmensgruppe als das Systemhaus für Unternehmenssicherheit. Was müssen sich unsere Leser darunter vorstellen und welche Leistungen können Sie mit Ihren Firmen in welchen Regionen erbringen?
Gregor Lehnert: Zu der WUI gehörte eine bereits damals vom BDSW anerkannte und zertifizierte Sicherheitsfachschule.
Diese habe ich dann in die Akademie für Sicherheit und Technik umbenannt. Somit war von Beginn meiner Tätigkeit in der Wirtschaft ein wichtiger Baustein für unser Systemhaus gelegt: das Beratungsunternehmen ergänzt um einen qualifizierten Sicherheitsdienstleister und die Akademie.
Neben meiner Unternehmertätigkeit habe ich mich von Beginn an auch im Verband engagiert. Dadurch ergaben sich Kontakte zu anderen Unternehmern, die altersbedingt und mangels geeigneter oder williger Nachfolger verkaufen wollten. Deshalb habe ich den Trierer Wachdienst und später das Sicherheitsunternehmen Beck in Simmern im Hunsrück übernommen. Mit diesem Unternehmen sind wir auch als Geld- und Wertdienstleister aktiv.
Außerdem konnten wir die Sicherheitstechnik und -technologie (STT) übernehmen. Mit diesem Verbund aus Sicherheitsunternehmen können wir basierend auf einer umfassenden Sicherheitsberatung ein spezifisches Sicherheitskonzept erarbeiten und dann eine integrierte, kundenangepasste Sicherheits- und Service-Lösung anbieten. Der Einstieg meiner beiden Söhne Markus und Michael in die Geschäftsführung und auch meiner Ehefrau haben unsere Expansionsstrategie natürlich entscheidend beeinflusst. Mit unseren Sicherheitsunternehmen sind wir überwiegend im Raum Rheinland-Pfalz und Saarland tätig. Aber auch in Hessen und Baden-Württemberg haben wir Aufgaben übernommen. Weiter gehende Expansionsbestrebung bestehen derzeit nicht. Mit meiner Unternehmensberatung bin ich jedoch bundesweit tätig.
Laut BDSW sind die Beschäftigtenzahlen und die Umsätze bei privaten Sicherheitsdienstleistern im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Wie ist Ihre Prognose für dieses und die kommenden Jahre? Was ist aus Ihrer Sicht zu tun, um die Wachstumschancen der Branche noch mehr zu verbessern?
Gregor Lehnert: Die Umsatzzuwächse im Jahr 2010 haben lediglich die Verluste aus dem Krisenjahr 2009 kompensiert. Das ist keine langfristige Steigerung. Die Umsatzzahlen des Statistischen Bundesamtes für das erste Quartal lassen deutliche Zuwächse auch für 2011 erwarten. Die Entwicklung bei den Beschäftigten ist deutlich geringer, deren Zahlen stagnieren weitgehend.
Aus meiner Sicht zeigt sich darin der Trend, dass durch den Einsatz von moderner Sicherheitstechnik immer mehr Personal kompensiert werden kann. Immer deutlicher wird aber ein anderes Problem. Aus meinem Unternehmen, aber auch von vielen Kollegen weiß ich, dass wir derzeit Sicherheitsaufträge nicht erfüllen können, weil wir dafür kein geeignetes Personal gewinnen können. Die anhaltend gute Wirtschaftslage in Deutschland führt zu Abwanderungen in andere Branchen. Das behindert unsere Wachstumschancen.
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