Security Forum: Sicherheitsexperten diskutieren

  • v.l.n.r. Norbert Stühmer, Peter Kaiser, Heiner Jerofsky, Jens Wiesner und Joachim Ledermannv.l.n.r. Norbert Stühmer, Peter Kaiser, Heiner Jerofsky, Jens Wiesner und Joachim Ledermann

Am 25. September 2014 gab es eine vom ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie initiierte Paneldiskussion zum Thema „vernetzte Sicherheit" im Security-Forum der Messe Essen in Halle 5. Auf dem Podium diskutierten Experten aus allen Marktsegmenten der Sicherheitstechnik: Norbert Stühmer, Bosch Sicherheitssysteme und Leiter der ZVEI-Fachgruppe Vernetzte Sicherheit, TGA-Planer Peter Kaiser, Jens Wiesner, Referent beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sowie Joachim Ledermann, Systemberater bei Wago Kontakttechnik. Moderiert wurde die Veranstaltung von Heiner Jerofsky, dem wissenschaftlichen Schriftleiter von GIT SICHERHEIT.

Der Trend zur digitalen Vernetzung von Gefahrenmeldeanlagen (GMA) untereinander und mit Systemen der Gebäudeautomation über Standard-IP-Netze ist unumkehrbar und wird sich weiter verstärken. Die Anwender profitieren von einer verbesserten Funktionalität, höherer Energieeffizienz und geringeren Kosten. Sicherheit und Datenschutz müssen jedoch gewährleistet sein, was heute nicht immer der Fall ist. Dringend erforderlich sind deshalb geeignete Standards und Normen sowie definierte Schnittstellen und einheitliche Kommunikationsprotokolle.

Vorteile unbestritten
Die digitale Vernetzung von Gefahrenmeldeanlagen bietet zahlreiche Vorteile und wird sich perspektivisch durchsetzen, darüber waren sich alle Teilnehmer einig. Angeführt wurden Kostensenkungen durch die Nutzung vorhandener IT-Netze, gemeinsame Verwendung von Komponenten der Gebäudesicherheit und Gebäudeautomation sowie zahlreiche neue Funktionen wie Ferndiagnose und Fernwartung. „Die Anwender sind sich dessen bewusst und forcieren die systemübergreifende Vernetzung bereits heute", meint Kaiser und berichtet von mehr als zehn Projekten in der jüngeren Vergangenheit. „Bei acht von den  zehn gab es allerdings erhebliche Probleme bei der Realisierung", schränkt Kaiser ein. Seiner Ansicht nach liegt das unter anderem an mangelndem IT-Know-how bei Errichtern, Elektroinstallateuren und Planern sowie der fehlenden Homogenität von Standards, Normen und Richtlinien.

Auch die Komponentenhersteller der Sicherheitstechnik hätten bei der Integration in allgemeine IT-Netze noch Nachholbedarf, da eine Vernetzung ihrer Systeme bisher im Wesentlichen über herstellerspezifische Insellösungen lief, ergänzt Wiesner.

Sicherheit mangelhaft
Größter Hemmschuh bei der systemübergreifenden Vernetzung seien jedoch mangelnde  Sicherheit und fehlender Datenschutz. „In den gängigen Standards der Gebäudeautomation wie LON oder KNX sind Sicherheitsfunktionen für Zwecke der GMA bislang nur unzureichend implementiert, da sie bei der Gebäudesteuerung nicht benötigt werden", gibt Wiesner ein Beispiel. Ledermann verweist auf die guten Erfahrungen mit den Standardprotokollen zur Gebäudesteuerung: „Die Sicherheitstechnik muss entsprechende Vorgaben machen, damit diese implementiert werden können", meint er. Notwendig seien dafür definierte Schnittstellen. Stühmer weist darauf hin, dass Schutzziele und die Gestaltung der IT-Netze in den einzelnen Unternehmen höchst unterschiedlich seien. „Letztlich muss der Anwender entscheiden, ob seine IT-Netze für sicherheitsrelevante Anwendungen geeignet sind", meint er. Dazu sei in vielen Fällen eine professionelle Systemberatung unumgänglich.

Richtlinien fehlen
Erschwert wird die systemübergreifende Vernetzung von Gefahrenmeldeanlagen auch durch das Fehlen von konsistenten, anwendbaren Normen und Richtlinien. „Im Prinzip ist alles vorhanden, nur sind die Festlegungen über zahlreiche Normen und Richtlinien der unterschiedlichsten Regelsetzer wie BSI, VdS, VDI oder VDE verteilt", beschreibt Stühmer die für Anwender unbefriedigende derzeitige Situation. Er verweist auf das gerade in der Erstellung befindliche „ZVEI-Schnittstellen- Merkblatt" für die Sicherheitstechnik, dass gerade in der ZVEI-Fachgruppe  Vernetzte Sicherheit erarbeitet wird. Diese Unterlage für Planer, Errichter und Anwender wird allgemeine Anforderungen an IP-Vernetzungen von Gefahrenmeldeanlagen sowie funktionale Schnittstellenbeschreibungen in einer Matrix- Darstellung enthalten. Wiesner plädiert dafür, die Erfahrungen aus der Industrieautomation zu nutzen und die dort gemachten Fehler nicht zu wiederholen. „ Ein offener Standard mit definierten Schnittstellen ist eine Notwendigkeit."

Google kommt
Neben den Anwendern erhöhen auch neue Player den Druck auf den Markt. So hat Google den Smart-Home-Hersteller Nest gekauft, um die Vernetzung auch mit dem Internet im Heimbereich zu forcieren. Die Teilnehmer bezweifelten allerdings, ob stückzahlenorientierte Hersteller wie Google überhaupt Interesse am regulierten und länderspezifischen Industriemarkt haben. Langfristig würden Smart-Home und Industrieanwendungen jedoch zusammenwachsen.

Fazit
„Der Trend zur systemübergreifenden Vernetzung und Integration von GMA ist da und nicht mehr umkehrbar", fasst Moderator Jerofsky die intensive Diskussion zusammen. Alle Beteiligten seien aufgerufen, in möglichst kurzer Zeit sichere und anwenderfreundliche Lösungen zu schaffen. Dass dies möglich sei, davon ist Jerofsky überzeugt: „ Auch Funkanwendungen in der Einbruchmeldetechnik wurden lange vor allem unter Sicherheitsaspekten intensiv diskutiert. Heute sind sie Standard". Das Thema bleibt hochaktuell und GIT SICHERHEIT wird ihre Leser  weiterhin auf dem Laufenden halten.

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BSI - Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
Godesberger Allee 185 -189
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