Sie sind hier: StartseiteThemen-ÜbersichtArchiv › vbbd: Interview mit Lars Oliver Laschinsky

vbbd: Interview mit Lars Oliver Laschinsky

27.10.2011
Lars Oliver Laschinsky, 1. Vorsitzender des Vereins der Brandschutzbeauftragten in Deutschland (vbbd)
Lars Oliver Laschinsky, 1. Vorsitzender des Vereins der Brandschutzbeauftragten in Deutschland ... Weiter

Vor über zehn Jahren haben Brandschutzbeauftragte den Verein der Brandschutzbeauftragten in Deutschland (vbbd) gegründet, um sich bei der alltäglichen Arbeit gegenseitig zu unterstützen. Inzwischen ist der vbbd mit annähernd 700 Mitgliedern die größte und wichtigste Berufs- und Interessenvertretung der Brandschutzbeauftragten in Deutschland. Eines seiner Ziele ist es, die Aus- und Fortbildung der Brandschutzbeauftragten auf ein einheitliches Niveau zu stellen. Außerdem werden die Mitglieder praxisnah unterstützt. Mitglieder sind hauptsächlich Brandschutzbeauftragte, aber auch Aus­bildungsanbieter und viele im Brandschutz tätige Fachverbände und Firmen. GIT-SICHERHEIT.de sprach mit dem 1. Vorsitzenden des vbbd, Lars Oliver Laschinsky.

GIT-SICHERHEIT.de: Herr Laschinsky, der Brandschutzbeauftragte im Unternehmen hat einen durchaus anspruchsvollen und wichtigen Job. Er hat im Idealfall eine Stabsstelle im Unternehmen, die - ohne insoweit weisungsbefugt zu sein - eine Beratungsfunktion für Brandschutzfragen innehat. Sind Sie zufrieden mit diesem System und der Praxis des Brandschutzes in den Unternehmen?

Lars Oliver Laschinsky: Der Brandschutzbeauftragte sollte zentraler Ansprechpartner für alle Fragen des Brandschutzes in einem Unternehmen sein. Viele Entscheidungen zu Bautätigkeiten, Investitionen und Entwicklungen im Unternehmen betreffen auch den Brandschutz, werden jedoch durch andere betriebliche, finanzielle oder technische Vorgaben beeinflusst. Wieviel Brandschutz über die gesetzlichen Mindestvorgaben hinaus in einem Unternehmen geschaffen wird, ist auch eine Frage der Unternehmenskultur und kann nur durch den Unternehmer selbst entschieden werden. Der Brandschutzbeauftragte hat in Vorbereitung zu dieser Entscheidung fachlich zu beraten und die Entscheidungskriterien sachlich darzustellen. Daher empfehlen wir Unternehmern und Brandschutzbeauftragten ausdrücklich die Bestellung als zentrale Stabsstelle mit ausschließlicher Beratungsfunktion.

Der Brandschutzbeauftragte kann ja ein Mitarbeiter des Unternehmens sein - es kann aber auch ein Externer bestellt werden.

In welchem Verhältnis bewegt sich das eigentlich?

Lars Oliver Laschinsky: Der „Brandschutzbeauftragte" ist in seiner Bezeichnung nicht geschützt oder reglementiert. Vielfach wird die Funktion z.B. auch innerhalb der Arbeitssicherheit durch Sicherheitsingenieure oder im Rahmen der überbetrieblichen Betreuung wahrgenommen, ohne dass ein Brandschutzbeauftragter explizit bestellt wird. Eine statistische Erfassung der ausgebildeten und tätigen Brandschutzbeauftragten kann daher nicht erfolgen. Zahlen zu den in Deutschland tätigen Brandschutzbeauftragten gibt es leider nicht. Ob ein Mitarbeiter oder ein externer Berater zum Brandschutzbeauftragten bestellt wird, hängt von vielen Faktoren ab. Dabei müssen zahlreiche Vor- und Nachteile abgewogen werden: Tätigkeit und Einbindung in betriebliche Prozesse des eigenen Mitarbeiters zu fachspezifischen Kenntnissen und Erfahrungen des externen Beraters, Aus- und Fortbildung eines Mitarbeiters zu Routine und betriebsübergreifenden Synergieeffekten des externen Beraters, Mehrbelastung durch Brandschutzaufgaben des eigenen Mitarbeiters zu Kosten des externen Beraters, ständige Verfügbarkeit des Mitarbeiters am Standort zu regelmäßiger Besichtigung eines externen Beraters etc.. Eine generelle Empfehlung ist daher nicht zu treffen. Eine gründliche Abwägung kann nur im Einzelfall vorgenommen werden.

Wer wird eigentlich typischerweise Brandschutzbeauftragter?

Lars Oliver Laschinsky: Nach meiner Erfahrung aus der Praxis gibt es im Wesentlichen zwei Wege: Oftmals führen die gestiegenen beruflichen Anforderungen an den Brandschutz, z.B. in der Gebäude- und Betriebstechnik oder dem Facility-Management, zu der Entscheidung die bestehende Zuständigkeit für den Brandschutz durch eine Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten grundsätzlich auf eine solide Basis zu stellen. Die zweite Gruppe sind Sicherheitsingenieure, Fachkräfte für Arbeitssicherheit oder Betriebsbeauftragte für Gefahrstoffe, Umweltschutz o. ä., die ihr Fachwissen gezielt im Bereich des Brandschutzes erweitern möchten, um durch die zusätzliche Qualifikation diese Aufgaben mit abdecken zu können.

Herr Laschinsky, Ihr Verband befasst sich ja unter anderem mit der Ausbildung von Brandschutzbeauftragten. Wie ist es damit in Deutschland bestellt?

Lars Oliver Laschinsky: Die Ausbildung von Brandschutzbeauftragten ist in Deutschland, anders als z.B. in Österreich, weder verbindlich geregelt, noch kontrolliert. Die Bandbreite der Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten reicht von der studienbegleitenden Qualifizierung an Universitäten oder Fachhochschulen, über Fachlehrgänge und -seminare der Berufsgenossenschaften, etablierten Bildungseinrichtungen und Sachverständigenorganisationen bis hin zum Feuerwehrmann, der etwas über Brandschutz erzählt. Die Qualität der Ausbildungen schwankt daher stark von Anbieter zu Anbieter, Brandschutzbeauftragter ist nicht gleich Brandschutzbeauftragter. Dieser wird allerdings nicht an dem gemessen, was er gelernt hat, sondern an dem, was von einem Brandschutzbeauftragten erwartet werden kann. Dieses Risiko geht also immer zu Lasten des bestellten Brandschutzbeauftragten. Hier müssen Mindestanforderungen an Aus- und Fortbildung gestellt werden, damit der Brandschutzbeauftragte seine Aufgaben zuverlässig, fachlich richtig und vollständig erfüllen kann.

Verwandte Artikel :

Schlüsselwörter : Brandschutz Brandschutzbeauftragte EIPOS-Institut Feuertrutz-Kongress Lars Oliver Laschinsky vbbd Verein der Brandschutzbeauftragten in Deutschland vfdb-Richtlinie

EmailanfrageFirmen Homepage

Institut Laschinsky / vbbd
Magdeburger Str. 2
45549 Sprockhövel


Tel: +49 2324 916976
Fax: +49 2324 916977
Web: http://www.INSTITUT-LASCHINSKY.DE

RSS Newsletter

Vorschau auf nächste gedruckte GIT SICHERHEIT:    ...und GIT SICHERHEIT auf Ihrem Tablet-PC: Hier geht´s zum Archiv aller e-Versionen

Abstimmen vom 5. Juni bis 21. August:

Der GIT Kamera-Test im SeeTec-Labor:   

GIT-SICHERHEIT.de funkt auch auf Facebook...

Jerofskys Sicherheitsforum - Der Blog