Hochdruck-Feuerlöschsysteme: Chancen für effizienten Brandschutz

Hochdruck-Feuerlöschsysteme: Chancen für effizienten Brandschutz. Respektierte Wissenschaftler, erfahrene Praktiker und Hersteller von Hochdruck-Feuerlöschsystemen diskutieren z.T. kontrovers Vorzüge und Risiken von mobilen Hochdruck-Feuerlöschsystemen. Hochdruck-Feuerlöschtechnik ist in Nord-Amerika seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts bekannt und bei Berufs-Feuerwehren aufgrund seiner erstklassigen Löschwirkung besonders bei großen Gebäudehöhen eingeführt und bewährt.

In Europa folgte man den Erfahrungen aus den USA - ein großer europäischer Fahrzeughersteller entwickelte eine Nebenabtriebs-Hochdruckpumpe mit hoher Aufgaberate von bis zu 400 l/ min bei einem Pumpendruck von max. 40 bar, die bei vielen deutschen Berufs-Feuerwehren eingeführt wurde. Die hohen Aufgaberaten in Verbindung mit dem verhältnismäßig hohen Düsendruck von 25-40 bar mit guter Feinzerstäubung führten zu erstklassigen Löscherfolgen. Allerdings auch zu vielfach berichteten Gefährdungen des Löschpersonals durch Verbrühungen aufgrund exzessiver Dampfexpansion, besonders beim Innenangriff und hoher Energiedichte des Brandgeschehens.

Erst zu Beginn der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts kamen Hochdruck-Feuerlöschsysteme auf den Markt, die bei reduzierten Aufgaberaten von 20-40 l/min die Gefährdung durch Verbrühungen ausschlossen. Erhöhte Drücke bis zu 250 bar gewährleisteten allerdings vollständige Zerstäubung und damit die volle synergische Löschwirkung von Wasser (Energieentzug plus Stickeffekt).

Das Prinzip "Weniger ist Mehr"

Wasser ist ein Stoff mit einzigartigen physikalischen Eigenschaften. Es ist der Stoff, der zu seiner Temperaturveränderung der höchsten Energiezufuhr bedarf. Es ist der Stoff, der zu seiner Verdampfung fast die achtfache Energiemenge benötigt, wie ihn von Raumtemperatur auf 99°C zu erhitzen. Und es ist der Stoff, der sein Volumen bei der Verdampfung um das 1.700fache vergrößert zu Dampf - ein heißes, unsichtbares, nicht toxisches Stickgas. Bezogen auf das Feuerlöschen bedeutet dies die Zumessung der Aufgaberate auf die Menge, die im Brandgeschehen überhaupt verdampfen kann, und zwar in einer Form, die den Brandherd erreicht und die sofortige Verdampfung sicherstellt.

Ganz bildlich: Wird ein Wassertropfen auf eine glühende Herdplatte gegeben, so benötigt es zu seiner Verdampfung mehrere Sekunden.

Wird dieselbe Menge Wassers mit einer einfachen Haushalts-Sprühflasche auf die herdplatte gesprüht, erfolgt die Verdampfung im Bruchteil einer Sekunde - das Geheimnis liegt in der geringen Tropfengröße und der massiv erhöhten Oberfläche für den Energieaustausch. Wenn bspw. beim C-Rohr mit seiner Aufgaberate von 100 l/min über 90 l/min nur leicht erwärmt und damit ohne nennenswerten Einfluss auf das Brandgeschehen davonlaufen, also lediglich 10 l/min wirklich löschwirksam werden, stellt sich doch die Frage: Warum nicht von vorn herein mit deutlich geringerer Aufgaberate von bspw. 25 oder 30 l/min und feintropfiger Aufbereitung des Löschwasserstrahls durch hohen Druck löschen und einen ungleich besseren Effekt erzielen? Von der Vermeidung von Schadwasser ganz zu schweigen.

Zusammengefasst: Hochdruck ist lediglich das Werkzeug um den Löschwasserstrahl auf Tropfengrößen von 30-60 μm zu zerlegen und ihn mit einer Geschwindigkeit von 300-800 km/ h in das Brandgeschehen zu treiben. Die augenblickliche Verdampfung entzieht dem Feuer massiv Energie, während der Dampf den Sauerstoff aus dem Brandgeschehen verdrängt. Dieser synergische Effekt führt zu den verblüffenden Löschleistungen der Hochdruck-Feuerlöschgeräte. Den meisten Geräten dieser Bauart ist die Leistungsfähigkeit mit der Zulassung durch die Amtliche Prüfstelle in Münster bestätigt.

Anforderungen an Hochdruck-Feuerlöschgeräte

Da die meisten Feuerlöschfahrzeuge räumlich und gewichtsmäßig nahezu vollständig ausgelastet sind, müssen HDL‘s möglichst kompakt und leichtgewichtig sein. Hochdruck-Aggregate mit 60 m Schnellangriffs-Schlauchtrommel ohne Tank benötigen je nach Leistung einen Einbauraum von 0,25-0,36 m³, mit 100-150 l Wassertank entsprechend 0,1-0,15 m³ mehr. Sie bringen ohne Tank 75-140 kg auf die Waage, mit gefülltem Wassertank 110-160 kg mehr.

Der Verbrennungsmotor sollte batterie-elektrisch gestartet werden, zumindest Batteriestart als Sonderzubehör lieferbar sein. Ein Not-Seilzugstarter erscheint selbstverständlich. Eine Schaummittel-Ansaugung sollte serienmäßig sein, um im Bedarfsfall auch auf Flüssigkeitsbrände reagieren zu können. Der gesamte Flüssigkeitsweg muss in diesem Falle korrosionsfest sein, da Schaummittel stark korrosiv wirken können.

Über die Löschwasserdrücke scheiden sich die Geister, die einen halten 100 bar für ausreichend, andere plädieren für 200–250 bar. Höhere Drücke sind auf jeden Fall vorteilhaft, da Schlauchwiderstände bei sehr großen Schlauchlängen (bis zu 300 m) aufgrund der Druckreserve besser überwunden werden können. Der Schnellangriffsschlauch ist üblicherweise schlank, flexibel und leicht (300–450 g/m), er sollte feuerfest und LKW-überfahrbar sein sowie eine Länge von 50–60 m aufweisen. Die Schlauchtrommel sollte über eine Bremse und Feststelleinrichtung sowie ein Rollenfenster verfügen, um das Auf- und Abrollen zu erleichtern und Schlauchschäden zu vermeiden. Die Löschpistole sollte mindestens zwei Strahlarten aufweisen (Sprühstrahl und Schwerschaum oder Sprüh- und Vollstrahl). Letztlich sollte das Hochdruck-Feuerlöschgerät eine amtliche Zulassung durch die zuständige Prüfstelle Münster besitzen, um den Stand der Technik (im Bezug auf das Löschvermögen und die Eignung der verwendeten Materialien) nachzuweisen.

Chancen für HDL‘s

Hochdruck-Feuerlöschgeräte sind aus ihrem Nischendasein längst herausgewachsen. Etwa 1500 Hochdruck-Feuerlöschgeräte sind in Deutschland inzwischen bei Berufs- und freiwilligen Feuerwehren wie auch Werkfeuerwehren und Institutionen im Einsatz, und ihre Anzahl wächst zunehmend. Mehrere Hersteller bieten zumeist mehrere Modelle verschiedener Leistungsklassen an. Ihre Vorteile werden zunehmend klar erkannt: Weil autark, benötigen sie keine Rüstzeit, mit dem Löschen kann sofort begonnen werden, während die Löschwasserversorgung aufgebaut wird; Feuerlöschen ist immer auch ein Wettlauf gegen die Zeit.

  • Weil kompakt, eignen sich HDL‘s ideal zur Nachrüstung von Fahrzeugen ohne eigenen Wasservorrat (z.B. LF8). 
  • Deswegen eignen sie sich besonders gut für den Einbau in schnelle Vorausfahrzeuge wie Geländewagen oder Vans, um schnell an schwer zugängliche Brandstellen zu gelangen (Parkhäuser, zugeparkte Zuwegungen usw.). 
  • 85 % aller Brände sind Entstehungs-, Kleinoder kleine Mittelbrände, die erfolgreich mit HDL‘s mit kleinem Wasservorrat bekämpft werden können.
  • Moderne HDL‘s verfügen über verschiedene Löschvorsätze, um möglichst vielseitig verwendet werden zu können, z.B. den Triplex-Vorsatz mit blitzschneller Umschaltmöglichkeit von Vollstrahl auf Sprühstrahl auf Schwerschaum, oder das Mittelschaumrohr zur Bekämpfung von Glimmbränden brennbarer, nichtmetallischer Stäube. 
  • Letztlich erzwingt auch die zunehmende Personalnot in freiwilligen Feuerwehren besonders im ländlichen Raum ein Umdenken hin zu kleineren Einheiten mit geringerer Sollstärke und angepasster, leistungsfähiger Ausstattung. 

Hochdruck-Feuerlöschgeräte sind keine Revolution im Feuerlöschwesen. Sie sind jedoch Ergebnis fortschrittlicher Technik, um die Arbeitssicherheit des Löschpersonals zu verbessern, Kollateralschäden weitgehend zu vermeiden und Umwelt und Ressourcen zu schonen.

 

KONTAKT

Arndt H von Oertzen GmbH & Co, Ammersbek
Tel.: 040/60411-0
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